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Nachwelt aber, bis einſt der letzte der Germanen hinabſinkt in die kühle Gruft, hellleuchtend immerdar erſcheinen werden. Als am 3. September 1870, da eben die große Schlacht geſchlagen war, der Uönig ſeine Generale und Berater ſammelte, da drückte er die Ver⸗ dienſte der Drei kurz und bezeichnend mit den Worten aus:„Sie, Kriegsminiſter von Roon, haben unſer Schwert geſchärft; Sie, Gene⸗ ral von Moltke, haben es geleitet, und Sie, Graf von Bismarck, haben ſeit Jahren durch die Leitung der Politik Preußen auf ſeinen jetzigen Höhepunkt gebracht.“ Einem aus dieſem hehren Dreigeſtirn, unſerm Moltke, um den die Völker des geſamten Erdballs uns beneiden, ſei hier eine Gabe der Erinnerung gebracht. hundert Jahre ſind es her, daß dieſen Helden uns ein gnädiges Geſchick geſchenkt hat. Da geziemt es, ſein Gedächtnis dankbar, liebend zu erneuern und dem lebenden Geſchlecht zu zeigen, wie er ward, und was er uns geweſen iſt. Zu dem Zwecke habe ich die gleiche Form gewählt wie bei dem Lebensbilde Bismarcks¹). Flüchtig freilich nur können wir faſt ein Jahrhundert durcheilen; wollte ich den großen Feldherrn zeichnen in der ganzen Fülle ſeines reichen Geiſtes: es wären ebenſo viel Bände nötig, als mir Blätter zu Gebote ſtehen. Möchte dieſe kleine Gabe, beſcheiden zwar, doch wohlgemeint, nicht unwillkommen ſein 1*)
¹) Siehe Jahresbericht der Oberrealſchule in Hanau vom Jahre 1809.
²) Das nachfolgende Lebensbild Moltkes iſt die Erweiterung einer Feſtrede, die der Verfaſſer am Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers, am 22. Januar 1898, in dem Feſtſaal der Oberrealſchule in Hanau gehalten hat. Es ſtützt ſich faſt ausſchließlich auf Moltkes Geſammelte Schriften und Denkwürdigkeiten und die einſchlägigen Ver⸗ öffentlichungen des Großen Generalſtabs; Rechenſchaft im einzelnen abzulegen, ver⸗ bietet der Charakter der Arbeit.


