Jahrgang 
1897
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Graf Philipy Luswig Il. uns Sie Gründung von Neu-Hanan.

Am 1. Juni 1897 feiert die Stadt Hanau den 300 jährigen Gedeuktag der Sründung der Heuſtadt. Es wird eine vaterſtädtiſche Feier großen Stiles ſein: in Wort, Schrift, Bild und feſtlichem Gepränge ſoll die Vergangenheit dem lebenden Geſchlechte vor Augen treten, ſoll vor allem ein für die Geſchichte dieſer Stadt hochbedeutſames Ereignis in ſeiner Entſtehung, ſeinem Verlaufe und ſeinen Folgen geſchildert und gewürdigt werden. Nicht bloß die geiſtigen?*) Nachkommen der vor nunmehr dreihundert Jahren zugewanderten Niederländer und Wallonen haben die Pflicht, ſich dankbar jener Zeiten zu er⸗ innern; nicht die Neuſtadt allein iſt berufen, teilzunehmen an der Feier: die ganze Stadt und ſelbſt die Nachbarorte, deren Geſchicke einſt in engerer Beziehung ſtanden zu dem alten Grafenſitz von Hanau, werden freudig ſich zum Feſte ſammeln.

In Dankbarkeit gedenken dabei Hanaus Bewohner ihres größten Grafen, Philipp Ludwigs II. (1580 1612), der im Zeitalter der großen religiöſen Kämpfe, das zugleich eine Zeit religiöſer Unduld⸗ ſamkeit und wirtſchaftlicher Gebundenheit geweſen iſt, ein warmes Herz beſaß für die wackere Schar der armen Flüchtlinge, die um ihres Glaubens willen die traute Heimat ihrer Väter verlaſſen mußte, und ihnen Schutz und Obdach bot. Faſt hundert Jahre ſpäter hat der geiſtesverwandte Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der große Kurfürſt, wie ihn die Geſchichte nenut, durch den Erlaß von Potsdam?) heimatflüchtige³) Franzoſen gaſtlich bei ſich aufgenommen, wahrlich nicht zum Schaden ſeines Landes, und ſeinen Spuren folgten Preußens Könige. Philipp Ludwig war vermählt mit Katharina Belgica, einer

¹) Leibliche Nachkommen, wenigſtens in direkter(männlicher) Linie, der Ende des 16. Jahrhunderts in Hanau einge⸗ wanderten Niederländer ſind nicht mehr vorhanden.

²) Am 8. November 1685. übrigens hat der Neffe Friedrich Wilhelms, der Landgraf Karl von Heſſen⸗Kaſſel(1677 1730), durch die bereits am 18. April 1685 für franzöſiſche Refügiés erlaſſeneFreiheitsconceſſion den Weg der Toleranz zuerſt betreten. Siehe Duncker, Die Aufnahme der franzöſiſchen Reformirten in Heſſen⸗Kaſſel durch den Landgrafen Karl im Jahre 1685. In denMittheilungen des Hanauer Bezirksvereins für heſſiſche Geſchichte und Landeskunde an ſeine Mitglieder pro 1885. Kaſſel. S. 41 ff..

²) Infolge der am 18. Oktober 1685 durch den allerchriſtlichſten König Ludwig XIV. vollzogenen Aufhebung des Edikts von Nantes, das, 1589 durch Heinrich IV. erlaſſen, den Reformierten gleiche bürgerliche Rechte wie den Katholiken ſicherte und in beſchränktem Sinne freie Religionsübung geſtattete.

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