10
ielt und von Schülern der verſchiedenen Claſſen Gedichte declamiert und Geſänge vorgetragen wurden, c d u e h Nach dieſer Schulfeierlichkeit betheiligten ſich Lehrer und Schüler an dem allgemeinen Zuge auf den Friedhof, woſelbſt eine Gedenkfeier für die dort ruhenden Opfer des Krieges von 1870/71 ſtattfand.. 3
Am 10. Sept. verlor die Anſtalt einen sweiten Schüler, Julius Eberlin, aus Vorſchulklaſſe 2 durch den Tod. Auch er hatte durch ſeine Tüchtigkentt die beſten Hoffnungen erweckt. 1
Am 14. September beſuchten die Schüler der drei oberen Claſſen in Begleitung des Directors und mehrerer Lehrer die„hiſtoriſche Ausſtellung kunſtgewerblicher Erzeugniſſe“ zu Frankfurt a /M. Das Aus⸗ ſtellungscomité hatte den Eintrittspreis und die heſſiſche Ludwigsbahn den Fahrpreis nach Frankfurt um die Hälfte ermäßigt..
Durch Beſchluß königl. Prov.⸗Schulcollegiums zu Caſſel vom 30. September wurde genehmigt, daß der Schulamts⸗Candidat Forſt ſein Probejahr ableiſte.
Mit dem Schluſſe des Sommerhalbjahres ſchied der ſeit dem 14. November 1874 an unſerer Anſtalt mit Verſehung einer Lehrerſtelle beauftragte Candidat der Theologie Otto Weiß aus ſeinem hieſigen Wirkungskreiſe. Er hatte ſein Lehramt mit Geſchick und Gewiſſenhaftigkeit verwaltet und die Anſtalt wird ihm ein dankbares Andenken bewahren. An ſeine Stelle trat mit dem 1. October der bis dahin an der höheren Bürgerſchule zu Schmalkalden als ordentlicher Lehrer angeſtellte, durch Urkunde vom 30. Auguſt 1875 an unſere Realſchule verſetzte Lehrer Jacob Löber und ward am Tage des Semeſſterſchluſſes, bei Gelegenheit der Schlußfeierlichkeit, am 2. October durch den Director eingeführt. Derſelbe hat über ſeine früheren Lebensverhältniſſe folgende Angaben gemacht:
Jacob Löber, geboren den 29. October 1851 zu Hanau, genoß vom 6.—8. Lebensjahre in der Vorſchule der Real⸗ ſchule Elementarunterricht, trat darauf in das hieſige Gymnaſium ein und verließ dasſelbe Oſtern 1869 mit dem Zeug⸗ niſſe der Reife. Hierauf widmete er ſich auf den Univerſitäten zu Marburg, Leipzig und Göttingen dem Studium der Phyilologie und Geſchichte. Oſtern 1873 ward er zur Ableiſtung eines Probejahres mit Verſehung einer Lehrerſtelle dem Gymnaſium zu Rinteln überwieſen und durch Verfügung königlichen Provinzial⸗Schulcollegiums zu Caſſel vom 4. September 1873 mit Verſehung einer Lehrerſtelle an der höheren Bürgerſchule zu Schmalkalden beauftragt und durch Urkunde vom 14. December 1874 zum ordentlichen Lehrer an genannter Auſtalt beſtellt, woſelbſt er bis zu ſeiner Ver⸗ ſetzung an die hieſige Realſchule verblieb.
Die Herbſtferien begannen am 2. October und dauerten zwei Wochen..
Der Beginn des Winterhalbjahres war am 18. October. Dieſer Tag iſt in der Geſchichte unſerer Anſtalt von beſonderer Wichtigkeit, weil an ihm die Ueberſiedelung unſerer Schule in ein neues, von der Stadt erbautes Gebäude ſtattfand. Morgens 9 Uhr verſammelten ſich die Lehrer und Schüler in den Räumen des alten Locales und, nachdem im Hofe Alle zum Zuge aufgeſtellt und das Lied:„Nun danket alle Gott“ ꝛc. abgeſungen war, ſprach der Director zum Abſchied von dem alten Schulhauſe und von der nahen Johanniskirche, die einſt die Stifterin der Schule war, tief empfundene und ergreifende Worte der Erinnerung an die Wohlthaten und Segnungen, welche die Anſtalt in ihren verſchiedenen Umgeſtaltungen im Laufe von beinahe zwei Jahrhunderten in dieſen Räumen genoſſen hat, an die Erlebniſſe der gegen⸗ wärtigen Generation der Lehrer und Schüler, empfahl dieſes Haus dem ferneren Segen Gottes und ſchloß mit dem Vorſatze, daß der alte Wahlſpruch der Anſtalt:„Deo ac patriae sacrum“, Gott und dem Vater⸗ lande geweiht, als Andenken an dieſe Stätte auch im neuen Gebäude der Wahlſpruch der Anſtalt ſein und bleiben ſolle. Nach dieſer Abſchiedsrede, welche auf alle Theilnehmenden tiefen Eindruck machte, zogen Lehrer und Schüler durch die Stadt nach dem neuen Locale. Dort hatten ſich bereits die Behörden unſerer Stadt und eine größere Anzahl von Freunden unſeres Schulweſens eingefunden, um die Einweihungs⸗ Feierlichkeit mit zu begehen. Die Schule ſtellte ſich bei ihrer Ankunft auf dem neuen Schulhofe vor dem feſtlich geſchmückten Hauſe im Halbkreiſe auf und ſtimmte zum Beginn der Feier das Lied:„Lobet den Herren, den mächtigen König“ ꝛc. an, worauf Herr Oberbürgermeiſter Caſſian unter einer die Schule begrüßenden herzlichen Anſprache dem Director den Schlüſſel des neuen Hauſes übergab. Dieſer erwiderte: „Nachdem durch die Aufführung dieſes Prachtbaues in reichſter Weiſe die äußerlichen Bedingungen weiteren Gedeihens der Realſchule geſchaffen ſeien, die für die Entfaltung des inneren Lebens der Anſtalt von höchſter Bedeutung ſind, werde es der Lehrer, wie der Schüler eifrigſtes Beſtreben ſein, daß dem ſchönen Aeußeren das innere geiſtige Leben entſpreche und daß dieſes Haus zur Freude der Behörde und der


