Jahrgang 
1915
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zu tun, bis alle Pakete, Karten und Briefe beantwortet waren. Zum Überfluß kamen dann noch

Liebesgaben zur Verteilung, die an das Regiment gesandt waren. Die übrige Zeit mubte dazu verwendet werden, die Kleider von dem vielen Schmutz zu befreien und vor allem das Gewehr in Ordnung zu bringen. Dazu fand ein besonderer Gewehrappell statt, wo die Gewehre genau nach- gesehen wurden. An Beschäftigung fehlte es demnach während der Ruhetage nicht. Auch wurde jeden Tag etwa 1 Stunde exerziert. Schöne Tage erlebten wir in der Weihnachtszeit, Tage, die uns immer in der Erinnerung bleiben werden. Wir hatten das Glück am 1. Weihnachtsfeiertag ins Quartier zu kommen. Nachdem wir am Morgen dem Gottesdienst beigewohnt hatten, wurde uns von der Kompagnie eine kleine Bescherung zuteil. Unter dem brennenden Weihnachtsbaum hielt unser Kompagnieführer, ein junger Leutnant, eine schöne Ansprache, bei der manchem von uns die Tränen in die Augen traten bei dem Gedanken an die Lieben daheim. Dann verteilte er die unter dem Christbaum ausgebreiteten Gaben. Jeder Mann erhielt eine Kleinigkeit, wie Zigarren, Ziga- retten, Lebkuchen usw. Bei der Feldküche gab es am Abend Glühwein, der viel dazu beitrug, dab sich eine fröhliche Stimmung entwickelte. An Neujahr waren wir draußen in Stellung, wo sich aber nichts Besonderes ereignete. Als wir damals von der Stellung zurückkamen, erkrankte ich leider an Typhus, und damit muß ich meine Erlebnisse bei der 4. Komp. des 5. bayr. Inf.-Regt. abschließen. Mit Gott für Kaiser und Reich!-

Soe

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