Jahrgang 
1915
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Kandidaten des höheren Lehramts.

Der Kandidat des höheren Lehramts Joseph Mazurkiewicz und der Probekandidat Dr. Peter Brodt wurden der Oberrealschule i. E. zu Oberursel, Probekandidat Ferdinand Kehr der Oberrealschule zu Schmalkalden und Probekandidat Dr. Otto Rasch der Adlerflychtschule zu Frankfurt a. M. überwiesen.

Während der ersten 14 Tage der Mobilmachung mubßten Mannschaften des 3. Eisenbahnregiments in der Schule einquartiert werden. Deshalb mubte der Unterricht in der Zeit vom 4. bis 17. August ausfallen. Unsere Schüler machten sich in dieser Zeit durch Austeilung von Liebesgaben an die durchfahrenden Truppen, durch Boten- und Führerdienste in der Stadt und durch lithille bei den Erntearbeiten nützlich, zu denen sich eine über die Nachirage weit hinausgehende Anzahl erboten hatte.

Zur Erinnerung an den Tag von Sedan wurde am 2. September nach der 2. Stunde eine kurze Feier abgehalten. Zur Eröffnung wurde der ChoralNun danket alle Gott gesungen, darauf hielt der Direktor eine kurze Ansprache über den Krieg 1870/71 und den gegenwärtigen Krieg. Mit dem gemeinsamen Gesange desLiedes der Deutschen,Deutschland, Deutschland über alles wurde die Feier geschlossen. Die übrigen Unterrichtsstunden fielen aus.

Am 8. September 1914 starb bei La Croix den Heldentod für das Vaterland der wissen- schaftliche Hilislehrer Curt Weyher, Leutnant der Reserve im 25. Bayrischen Infanterie-Re- giment. Die Schüler haben in ihm einen freundlichen, um ihr geistiges und körperliches Wohl allezeit treubesorgten Lehrer verloren, und wir betrauern in ihm einen pflichttreuen Mitarbeiter, den wir wegen seines bescheidenen Wesens alle liebgewonnen hatten. Ehre seinem Andenken!

Die bisher mit dem katholischen Religionsunterricht betrauten Kapläne Theodor Weidner und Joseph Filthaut wurden mit dem 1. Oktober, jener als Curatus nach Birstein, dieser als Kaplan nach Mittelkalbach bei Fulda versetzt. Als ihre Nachfolger wurden durch Ver- fügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 29. Oktober die Kapläne Rudoll Thiergart und Fridolin Füller bestellt. Die aus dem Lehrerkollegium ausgeschiedenen Herren be- gleiten wir mit unseren besten Wünschen in ihren neuen Wirkungskreis.

Am 27. November wurde zur Feier des von unserem Heere in Polen errungenen großen Sieges den Schülern freigegeben, ebenso am 17. Februar nach dem glorreichen Ausgang der 9tägigen Winterschlacht in Masuren. An beiden Tagen versammelten sich die Schüler in der Aula, wo der Direktor in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung der Taten unseres Heeres und auf die daraus für uns alle folgende Verpflichtung zu strengster Pflichterfüllung hinwies. Wir wollen nicht unterlassen zu erwähnen, daß bei diesen kurzen Feiern jedesmal das von Dr. Adolf Stübing, einem ehemaligen Schüler der Anstalt, gedichtete und komponierte volkstümliche Lied auf Hindenburg von den Schülern mit großer Begeisterung gesungen wurde.

Am Abend des 27. November veranstalteten wir in dem Reservelazarett in der Turnhalle der

Turngemeinde eine Abendunterhaltung, bei der der Chor mehrere Lieder, einige Schüler Ge- dichte meist heiteren Charakters und unsere Musiker einige Musikstücke vortrugen. Die ver- wundeten Krieger waren für unsere bescheidene Gabe sehr dankbar und stimmten freudig in das LiedO Deutschland hoch in Ehren und das SoldatenliedIch hatt' einen Kameraden ein. Am 24. Dezember trug der Chor in demselben Lazarett, das im Glanze der Lichter eines großen Weihnachtsbaumes erstrahlte, einige Lieder und ein Schüler das Gedicht Ernst von WildenbruchsWeihnachten auf dem Meere vor. Am 20. Januar 1915 nachmittags 4 Uhr durften der Chor und die Musiker die Verwundeten in dem Reservelazarett in Grob- Auheim durch ihre Vorträge erfreuen, die auch hier sehr dankbare Zuhörer fanden.

Am 27. Januar vormittags 9 ½ Uhr fand die Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs statt, bei der Professor Rausenberger die Festrede hielt. Ein Teil der Gedichte und Musikstücke, die bei dieser Feier vorgetragen worden waren, wurden am Abend bei der Kaisersgeburtstagsfeier in dem Reservelazarett der Concordia, bei der wir mitwirken durften, wiederholt.

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