anstalt für alle diejenigen Teile unserer Bevölkerung, die in dem Gewerbe tätig sind oder dem Handels- und Industriestand angehören. Den Schülern dieser Stände sollte die Schule das reale Wissen geben, aber wie wir aus der Festrede des Herrn Direktors gehört haben, sollte sie auch ihre sittliche Entwicklung in weitestem Umfange fördern. Diesem Ziele und diesen Zwecken dient die Schule auch immer noch in der Hauptsache, auch nach ihrem Ausbau zur Ober- realschule, und unsere Stadt kann mit freudiger Genugtuung feststellen, daß die Bürger- und Real- schule ganz besonders den Söhnen unseres Bürgerstandes und gerade aller Stände, die ich nannte und die einen Hauptteil unserer sebhaften Bevölkerung bilden, das geistige Rüstzeng gegeben hat für das Leben. Die Schule hat viele Männer hervorgebracht, die im Handel und Industrie sowie im Handwerk Tüchtiges leisten und außerdem tätig waren und tätig sind im Interesse des allge- meinen Wohles, im Dienste der Stadt oder im Dienste der Kunst und Wissenschaft, sowie der all- gemeinen Bildung. Hochverehrte Festversammlung! In Ihrem Interesse, aber auch im Interesse der nachfolgenden Herren Redner möchte ich meine Ausführungen kurz fassen. Ich möchte nur hervorheben, daß es bei dieser engen Verbindung von Schule und Stadt und bei der weitgehenden Einwirkung der Schule sowohl auf das geistige als auch auf das wirtschaftliche Leben der Stadt es selbstverständlich ist, daß das Kuratorium und mit ihm die städtischen Körperschaften stets ein weitgehendes und tiefes Interesse für die Schule gehegt haben und noch hegen und auch in Zu- kunft hegen werden und, wie ich meine, in unserem eigenen Interesse hegen müssen. Aus diesem Gefühl heraus haben die städtischen Körperschaften geglaubt, ihrem Interesse, ihrem Danke und ihrer Anerkennung auch einen äußeren Ausdrnck geben zu müssen. Ich freue mich, hier an dieser Stelle mitteilen zu dürfen, dab die städtischen Körperschaften beschlossen haben, der Oberreal- schule die Summe von 2000 Mark zur Verfügung zu stellen, aus denen nach Beschlüssen des Lehrer- kollegiums eine Orgel angeschafft werden soll. die zur Vertiefung und Belebung des Gesangsunter- richts dienen und damit auch zur Verschönerung der Schulfeste beitragen soll. Die städtischen Körperschaften haben aber auch weiter beschlossen, im Anschluß an die Stiftung früherer Schüler die Summe von 5000 Mark zur Verfügung zu stellen, deren Zinsen würdigen und bedürftigen Schülern Gelegenheit geben soll, solche Stätten unseres Vaterlandes aufsuchen zu können, die her- vorragend sind durch Natur, Kunstschätze, geschichtliche Erinnerungen, durch besondere Einrichtungen des Handels, des Gewerbes, der Industrie, um dadurch die Kenntnis von unserem Vaterlande bei den Schülern zu erweitern, ihr allgemeines Verständnis für unsere Zeit zu vertiefen, und nicht zu- letzt auch die Liebe zu unserem schönen Vaterlande zu befestigen. Ich bitte Sie, verehrter Herr Direktor, von diesem Beschlusse freundlichst Kenntnis nehmen zu wollen, und schließe mit dem Wunsche, daß unsere städtische Oberrealschule sich weiter entwiekeln möge zum Besten der Schüler, der Stadt und zum Besten unseres Vaterlandes!
IHIerr Professor Dr. Kalbfleisch-Marburg.
Hlochgeehrte Festversammlung!
Seine Magniſizenz der Rektor und der Senat der Universität Marburg haben mich beauf- tragt, der Hanauer Oberrealschule zu ihrer Jahrhundertfeier die Grüße und Glückwünsche der alma mater Philippina zu überbringen. Ursprünglich war dazu ein Würdigerer ausersehen, ein Mann. dessen Name gerade in Ihren Kreisen einen besonders guten Klang hat, Wilhelm Vietor, dessen Verdienste um die deutschen Realschulen zu feiern überflüssig sein würde vor Männern, die diese Verdienste noch viel besser zu würdigen verstehen als ich. Er hat es lebhaft bedauert, aus Ge- sundheitsrücksichten nicht hier erscheinen zu können, um so mehr, als er sich dem verehrten Leiter dieser Anstalt von der Universitätszeit her in Freundschaft verbunden weiß. So hat man mich dazu bestimmt, obwohl ich als Vertreter der klassischen Philologie minder geeignet erschien, weil ich als Hanauer Gymnasiast vier der wichtigsten Jahre meines Lebens in dieser gastlichen Stadt verbringen durfte. Ich hoffe, meine sehr geehrten Herren von der Oberrealschule, dab Sie mich trotzdem nicht als einen Abgesandten aus dem feindlichen Lager ansehen werden.(Heit erkeit.) Man kann ein überzeugter Anhänger der humanistischen Bildung und des humanistischen Gymnasiums


