VIII. Mitteilungen an die Eltern.
a. Allgemeines.
Vorbemerkung. In der höheren Schule haben ſich im Laufe der letzten Jahrzehnte tiefgrei⸗ fende Wandlungen vollzogen. Das führt dazu, daß auch diejenigen Eltern, die aus eigner Schüler⸗ erfahrung ſolche Anſtalten kennen, manches an der heutigen Schule nicht verſtehen. Es ſoll im folgen⸗ den verſucht werden, einige der Mißverſtändniſſe, die im Einzelgeſpräch mit Eltern häufiger erkenn⸗ bar werden, mit kurzen Worten aufzuklären.
Prädikate und Zenſuren. über ſie muß etwas ausführlicher geſprochen werden. Es iſt gewiß praktiſch, mit einer für jedermann deutlichen Ziffer oder Vokabel den Leiſtungsſtand zu bezeich⸗ nen, ſodaß ſo etwas wie ein Geſamtbild entſteht. Aber dies kann nur ein rohes Bild ſein, eine ungefähre Benachrichtigung, ob das Fortſchreiten gleichmäßig verläuft oder gefährdet iſt. Die Zeug⸗ nisprädikate, die nach Vorſchrift mit einem Wort knapp formuliert ſein müſſen, beſonders das häu⸗ figſte Prädikat„genügend“, ſind weit umfaſſend; wichtig für die Beurteilung des eigenen Kindes iſt nicht nur der genaue Wert dieſes Prädikates, ſondern auch ſeine Art, wie groß in ihm der Anteil der Fleißleiſtung, wie groß der der Begabung iſt; ob gerade bei dieſem Schüler die durch dieſes Prä⸗ dikat ausgedrückte Leiſtung befriedigen darf oder eine beſſere leicht zu erreichen wäre. Deshalb ſoll⸗ ten es ſich alle Eltern zur Pflicht machen, die Sprechſtunde des Klaſſenleiters in regelmäßigen Zeit⸗ abſtänden zu beſuchen, ſchon um ſich das allzu rohe Bild des Zeugniſſes durch die Mitteilung näherer
werten die ſchriftlich— ſei es im Arbeitsheft, ſei es im Notizbuch des Lehrers— fixierten Noten, und die Eltern glauben mit ihnen, daß das Endprädikat aus ſolchen Einzelnoten errechnet wird. Die
ſchieden, aber entſcheidend für das Endprädikat iſt ein Faktor, der den zu Hauſe berichtenden Schü⸗ lern ſo gut wie gänzlich entgeht: es iſt die Mitarbeit im Unterricht, die Art, wie jeder dem Gedanken⸗ gang der Stunde zu folgen pflegt, der Wert ſeiner Antworten bei gemeinſamen Erörterungen, die
dieſer Beziehung hat ſich im Zeichen des„Arbeitsunterrichtes“ manches in der Schule gewandelt, und es kann wieder nur perſönliche Rückſprache mit dem Lehrer empfohlen werden, wenn die Zenſierung
Hausaufgaben. In einer heute ſchon weit zurückliegenden Zeit wurde das Erlernen von Kenntniſſen überſchätzt, die Arbeit in der Schule beſtand zum großen Teile im Abfragen des zu Hauſe Gelernten. Die Schulſtunden ſollen aber in der Hauptſache dem Erklären und Einüben neuen
lernte durch ſie befeſtigt werden, außerdem ſollen ſie zu Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit er⸗ ziehen. Später wird der Hauptwert darauf gelegt, zu Hauſe das Material für die gemeinſame geiſtige Arbeit in der Klaſſe vorbereiten zu laſſen; erſtrebt wird, daß die Größeren Verſtändnis und übung für ſelbſtändigere Arbeit in größeren Zuſammenhängen gewinnen. Von den Lehrern wird mit
ihre Schuldigkeit getan haben, werden in jüngerem Alter nachmittags nicht mehr allzulange für
geiſtige Arbeit beanſprucht werden dürfen; bei den älteren Schülern beſteht die Gefahr, daß ihnen bei dem Vielerlei der Fachanforderungen die Freude an ſelbſtgewählter Arbeit beeinträchtigt wird.
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