Jahrgang 
1929
Einzelbild herunterladen

Am 15. Januar 1929 verſtarb im 85. Lebensjahre der

Geheime Studienrat, Gymnaſialdirektor i. R.

Dr. Philipp Braun

Er wurde geboren am 24. Dezember 1844 in Fulda. Oſtern 1863 beſtand er die Reifeprüfung am Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, ſtudierte dann klaſſiſche Philologie und Geſchichte in Göttingen, München und Marburg und trat im Herbſt 1867, wieder am Fuldaer Gymnaſium, in den höheren Schuldienſt ein. 1875 wurde er an das Gymnaſium in Marburg verſetzt, 1884 nach Weilburg, von wo er Oſtern 1888 als Direktor an unſere Anſtalt berufen wurde. 31 Jahre hat er ſie geleitet, bis zu ſeinem übertritt in den Ruheſtand, Oſtern 1919. Voller Hingabe an ſeinen Beruf, begeiſtert für die Ideale der klaſſiſchen Bildung und altüberlieferter Sittenſtrenge, hat er zum Segen vieler Schüler⸗ generationen gewirkt.

An ſeinem Sarge widmete ihm der Unterzeichnete folgende Worte des Nachrufs:

Im Namen der Hohen Landesſchule, des vormals Königlichen Gymnaſiums zu Hanau, ſage ich dem Verſtorbenen den letzten Gruß und unſern Dank.

Den größten Teil ſeiner Lebensarbeit hat der Entſchlafene unſerer Schule gewidmet, mit vorbildlicher Hingebung den Pflichten ſeins Amtes lebend, im Großen treu wie auch im Kleinſten. Mit unermüdlicher Liebe und Sorge hat er dem Wohle der Anſtalt gedient, und ſie durch manche ſchwere Zeit hindurch geleitet. 31 Jahrgängen von Schülern unſerer Stadt und unſeres Landes iſt er Lehrer und Erzieher geweſen, begeiſtert ihnen mit⸗ teilend von den Idealen in ſeiner Seele, ein Vorbild pflichtbewußter Lebensführung. Viele werden ſeiner dankbar gedenken in dieſen Tagen, die als Schüler oder Amtsgenoſſen Lehre, Rat oder menſchliche Hilfe von ihm empfangen haben. Den Dank dieſer ehemaligen Angehörigen unſerer Schule ſpreche ich heute mit hier aus.

Ein Menſchenalter lang hat er am Geiſte unſerer Schule mitgewirkt, und ein Stück ſeines Weſens in ſie hineingegeben, das unvergänglich weiterleben wird. Vieles, alles faſt hat ſich gewandelt bei uns in dem Jahrzehnt, ſeit er vom Amte ſchied. Aber im geheimnis⸗ vollen Fortwirken aller Kräfte des Geiſtes fühlen wir uns ihm verbunden, das Beſte ſeiner Lebensarbeit wollen auch wir erhalten, als Miterben ſeines Geiſtes, die weiter⸗ zutragen geſonnen ſind an kommende Geſchlechter ſeinen hohen Sinn für Ideale, ſein Streben, Begeiſterung zu wecken und zu verbreiten, ſeinen Ernſt der Pflichterfüllung.

In wenig Jahrzehnten wird keiner mehr an ſeiner Schule wirken, der ihn noch gekannt hat, aber das Gedächtnis des treuen Mannes wird unverloren ſein in unſerer Geſchichte.

In ſolchem Sinne nehmen wir Abſchied von ihm und grüßen ihn zum letzten Male voll Ehrfurcht und Dankbarkeit.

V