Der Neubau der Hohen Landesſchule.
Am 14. Auguſt 1925 wurde der Neubau der Hohen Landesſchule ſeiner Beſtimmung über⸗ geben. Damit fand ein Bauvorhaben ſeinen äußeren Abſchluß, das ſeit dem Jahre 1892 erwogen worden war, durch den Brand des hiſtoriſchen Schulhauſes in der Schirnſtraße am 24. Mai 1912 neue Nahrung erhalten hatte, im Jahre 1916 endlich beſchloſſen, mit Rückſicht auf die durch den Weltkrieg eingetretene ſchwierige wirtſchaftliche Lage bis zum Frühjahr 1919 aufgeſchoben, nach Fertig⸗ ſtellung der Fundamente wiederum ſtillgelegt und ad calendas graecas vertagt worden war, um endlich im Herbſt 1923, zur Zeit des ſchlimmſten Geldverfalles mit dem Ziele der Fertigſtellung um jeden Preis und allen Schwierigkeiten zum Trotz in Angriff genommen zu werden. Das Bau⸗ programm freilich mußte ſich erhebliche Abſtriche gefallen laſſen. Turnhalle und Direktorwohn⸗ haus wurden vom Bauplan abgeſetzt, die Geſchoßhöhen des Schulhauſes auf das unbedingt not⸗ wendige Maß zurückgeführt, der urſprünglich zweigeſchoſſig geplanten Aula konnte nur die Höhen⸗ ausdehnung eines Geſchoſſes und des darüber liegenden verfügbaren Dachraumes zugewieſen wer⸗ den, für die äußere Geſtaltung wurde größte Einfachheit und Sparſamkeit zur Bedingung gemacht. Dagegen blieben alle ſchul⸗ und geſundheitstechniſchen Anforderungen eines modernen Schulhauſes in vollem Umfange zu erfüllen und bildeten zuſammen mit der Aufgabe, bautechniſch ein einwand⸗ freies Werk zu ſchaffen und baukünſtleriſch das in den gegebenen Grenzen irgend Mögliche zu er⸗ reichen, die weſentlichſten Richtlinien für die Bauleitung. Wie ſich in den Akten der zweijährigen Bauausführung die Zeit der größten wirtſchaftlichen Not, des Währungsverfalles, der erbitterſten Lohnkämpfe, und dann der Befeſtigung der Währung durch die Rentenmark, des allmählichen wirtſchaftlichen Aufſtieges, der langſamen Geſundung der Arbeits⸗ und Zahlungsbedingungen im Baugewerbe ſpiegelt, das iſt ein Kapitel für ſich und kann nicht Gegenſtand einer Beſprechung an dieſer Stelle ſein.
Der Neubau ſteht mit der Hauptfront nach NW., gegenüber den prächtigen Grünanlagen des Landkrankenhauſes. Um die NW.⸗Lage, die den Vorteil der Raumbeſonnung nach Schul⸗ ſchluß in den Nachmittags⸗ und Abendſtunden bietet, für die Unterrichtsräume möglichſt auszu⸗ nutzen, wurde der Haupteingang auf die NO.⸗Seite verlegt, während die beiden, auch den Zugang zu dem auf der Rückſeite liegenden etwa 2000 qm großen Spielplatz vermittelnden Treppenhäuſer und die einbündigen Flure von 80. Luft und Licht erhalten und in den Vormittagsſtunden von Sonne durchflutet ſind. Das Abortgebäude begrenzt die SW.⸗Seite des Spielplatzes und gliedert ſich dem Hauptgebäude an, mit dem es durch eine offene Halle verbunden iſt.


