Jahrgang 
1913
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zweiten Oberſtock befindlichen Räume, Aula und Zeichenſaal, völlig ausbrannten. Schmerzlich be⸗ dauert wurde der Verluſt der Orgel und der beiden Flügel, die in der Aula ſtanden, und von denen der eine ſehr wertvolle erſt vor wenigen Jahren der Anſtalt gelegentlich ihrer Dreihundertjahrfeier von der Stadt Hanau geſchenkt worden war. Da nach den beſtehenden Beſtimmungen nur Bibliothek und Sammlungen der Staatsanſtalten gegen Feuersgefahr verſichert werden, ſo war der Verluſt um ſo empfindlicher. Unerſetzlich aber bleibt der Verluſt zweier Originalölbilder, von denen das eine den Stifter der Anſtalt, Philipp Ludwig, das andere einen Wohltäter der Anſtalt, den Stifter unſerer Münzſammlung, einen Steuerrat Kamp darſtellte. Durch das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehr, die eifrige Hilfeleiſtung der Mannſchaften des hier garniſonierenden 2. Bataillons des 2. Naſſauiſchen Infanterie⸗Regiments Nr. 88 ſowie von Lehrern und jetzigen wie früheren Schülern des Gymnaſiums gelang es, die Bibliothek und das Archiv zu retten. Auch die Münzſammlung ward geborgen. In wenigen Stunden war der Hauptbau unſeres ſchönen, altehrwürdigen Hauſes, nachdem er über 250 Jahre ſtolz emporgeragt hatte, faſt völlig ausgebrannt. Über 8 Tage mußte der Verkehr in nächſter Nähe des Hauſes geſperrt bleiben, bis die hoch ragenden, gefahrdrohenden Schornſteine abgetragen waren. Üüber die Entſtehung des Feuers konnte nichts ermittelt werden. Es wird vermutet, daß bei einem ſtarken Gewitter am Abend des 21. Mai der Blitz in das Dach⸗ gebälk eingeſchlagen ſei und dort gezündet habe, daß aber erſt ſpäter das Feuer völlig zum Ausbruch gekommen ſei.

über die Frage, ob das Haus an alter Stätte wieder ausgebaut oder ob anderswo ein Neubau errichtet werden ſoll, iſt eine Entſcheidung noch nicht getroffen.

Wohltuend und rührend waren die Beweiſe treuer Anhänglichkeit und dankbarer Liebe, die uns durch die zahlreichen Beileidsſchreiben von allen Seiten, beſonders auch von früheren Schülern bei dieſer Gelegenheit zuteil wurden.

Es war ein ſehr glückliches Zuſammentreffen, daß in dem alten Landgerichtsgebäude, das kurz vorher an die Stadt übergegangen und nur mit einigen Klaſſen des hieſigen Lyzeums belegt war, ſich Räume fanden, die für eine Unterbringung ſämtlicher Klaſſen des Gymnaſiums ausreichend waren. Durch freundliches Entgegenkommen des Herrn Oberbürgermeiſters Dr. Gebeſchus und der hieſigen ſtädtiſchen Behörden konnten ſchon am 29. Mai zwiſchen Vertretern der Kgl. Staats⸗ regierung, die zu dem Ende hierher gekommen waren, und der ſtädtiſchen Behörde die wichtigſten Bedingungen vereinbart werden, unter denen Räume in dem ehemaligen Landgericht auf die Dauer von fünf Jahren dem Gymnaſium mietweiſe überlaſſen wurden.

Nicht dankbar genug können wir dafür ſein. daß die ſtädtiſche Behörde die unfertigen Räume ſo raſch inſtand ſetzen ließ, daß wir ſchon am 12. Juni die neuen Klaſſen beziehen konnten. Wenn auch manches noch unfertig war, insbeſondere auch viel Mobiliar, das durch den Brand vernichtet oder beſchädigt war, noch fehlte, ſo konnte doch der Unterricht im ganzen und großen durchgeführt werden. Da auch die Pfingſtferien zwiſchen Brand und Umzug fielen, ſo wurde der Unterricht für die Klaſſen 2VI nur an 11 Tagen ausgeſetzt. Für die Oberprima fiel kein Unterricht aus, da durch die große Güte des Herrn Superintendenten Fritſch uns für dieſe Klaſſe alsbald ſein großer Konfirmandenſaal zur Verfügung geſtellt wurde.

Freilich für unſere Bibliothek, die naturwiſſenſchaftlichen und phyſikaliſchen Sammlungen hatten wir vorläufig noch keinen Raum im nunmehrigen Schulgebäude, da hierfür erſt der ehemalige Schwurgerichtsſaal nebſt ſeinen Nebenräumen eingerichtet werden mußte.

Die Bibliothek, die zum Teil beim Brande in den Hof getragen worden war, war vor⸗ läufig in den unverſehrt gebliebenen Räumen des Nebenbaues untergebracht worden. Erſt nach