Jahrgang 
1909
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12. Das Schuljahr wurde Dienstag den 29. April 1908 eröffnet. Es wurden 36 neu eintretende Schüler auf die Schulordnung verpflichtet.

Kurz nach Beginn des Schuljahres, in der Frühe des 12. Mai, starb ein lieber, hoffnungsvoller Schüler der Anstalt, der Untersekundaner Hermann Schroeter, nach langem und schwerem Leiden, das er mit großer Geduld und Gottergebenheit ertragen hatte. Am 14. Mai begleiteten ihn die Lehrer und Schüler der Anstalt zur letzten Ruhe. Er schlummere sanft!

Am 14. Mai nahmen Herr Geh. Reg.-Rat Dr. Kaiser und Herr Geh. Reg.-Rat Waldhausen eine Besichtigung des Gymnasialgrundstückes und der benachbarten Grund- stücke vor. Am folgenden Tage wohnte Herr Geh. Reg.-Rat Dr. Kaiser dem Unterrichte mehrerer Lehrer in verschiedenen Klassen bei.

Die Pfingstferien dauerten vom 6. bis 10. Juni, die Sommerferien vom 4. Juli bis 3. August, die Herbstferien vom 27. September bis 12. Oktober, die Weihnachtsferien vom 24. Dezember bis zum 6. Januar.

Am 20. August fanden die üblichen Ausflüge der einzelnen Klassen statt.

Der schriftliche Teil der Reifeprüfung, der sich im Herbst 2, zu Ostern 14 Schüler der Oberprima unterzogen, wurde vom 10. bis 14. August und vom 2. bis 6. Februar er- ledigt. Die mündliche fand am 10. September unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Reg.- Rates Dr. Kaiser und am 8. Februar unter dem Vorsitze des Direktors statt. Es bestanden die Prüfung im Herbste ein Schüler, zu Ostern 14 Schüler.

Bei Gelegenheit der Sedanfeier, die am 2. Sèptember in der Aula abgehalten wurde, hielt Prof. Macke die Festrede über den Fürsten Bismarck. Am Schlusse der Feier wurde eine kostbare, kunstvoll gestickte Fahne der Anstalt von einer Anzahl junger Hanauer Damen feierlich übergeben, ein Geschenk, zu dem die Dreihundertjahr- feier des Gymnasiums die Veranlassung gegeben hatte. Die Fahne ist entworfen von dem vorhinigen Akademiedirektor Herrn Prof. Petersen im Vereine mit Herrn Akademie- lehrer Schimke und ausgeführt unter Leitung der vorhinigen Lehrerin der Zeichen- akademie Frau Ihm in der Stickklasse der Zeichenakademie. Nachdem von einer der jungen Damen ein Prolog gesprochen war, wurde die Fahne enthüllt. Herr Akademie- lehrer Schimke erläuterte die Bedeutung der einzelnen Zeichen und Embleme. Darauf nahm der Direktor sie unter dem Ausdrucke des Dankes in Empfang. Diesen Dank hier nochmals zu wiederholen ist dem Unterzeichneten eine liebe Pflicht. Es darf auch hier die vertrauensvolle Zuversicht ausgesprochen werden, daß die köstliche Gabe immer in Ehren gehalten werden und stets einer Schülerschar, die ihrer würdig ist, vorausgetragen werden möge.

Freitag, den 25. September, fand nachmittags auf dem Turnplatze der Turnge- meinde ein Abturnen sämtlicher Klassen statt, zu dem sich zahlreiche Eltern und sonstige

stadt, trat Herbst 1896 in die Präparandenanstalt zu Königsberg Nm. und drei Jahre später in das Kgl. Schullehrer-Seminar daselbst ein und erwarb sich im Jahre 1902 die Befähigung für das Elementar-Schul- amt und verwaltete dann ein Jahr lang die zweite Lehrerstelle in Dechsel, Kreis Landsberg a. W. Von Herbst 1903 1904 genügte er seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger bei der 4. Batterie Neumärkischen Feldartillerie Regiments Nr. 54 zu Landsberg a. W. Dann besuchte er 5 ½ Semester lang die Kgl. Kunst- akademie zu Cassel und bestand am 15. Juni 1907 die Zeichenlehrerprüfung. Vom 1. November 1907 an war er am Kaiserin Friedrich-Gymnasium zu Homburg v. d. H. tätig und wurde vom 1, Oktober 1908 ab dem hiesigen Gymnasium provisorisch als Zeichenlehrer zugewiesen,