Jahrgang 
1900
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Zum Schlusse der diesjährigen Berichterstattung habe ich noch Kenntnis zu geben von einer bedeutenden Schenkung, die der Anstalt zu teil geworden ist. Die am 1. August 1899 dahier verstorbene Witwe des Fabrikanten Pedro Jung, Auguste geb. Haack hat in der Erfüllung des letzten Willens ihres im Tode ihr am 10. Januar 1886 vorausgegangenen Gatten in ihrem am 24. August 1896 errichteten und am 9. August 1899 eröffneten Testamente dem Königlichen Gymnasium neben

einem Legate von 500 Mark, das sie mit ihrem verstorbenen Gemahl gemeinschaftlich der Anstalt

durch Testament zugewendet hatte, die Summe von Zwanzigtausend Mark vermacht mit der Bestimmung, daß dieses Geld unter dem Namen Stiftung von Pedro Jung

in ersten Hypotheken oder deutschen Staatspapieren angelegt werde und daß das Zinsaufkommen dieses Kapitals zur Errichtung von Freistellen für befähigte, aber nicht hinlänglich bemittelte Schüler oder in Form von Stipendien für solche Schüler Verwendung finde. Dem Ermessen der Verwaltung soll es überlassen bleiben, den etwa nicht oder nicht ganz zur zweckentsprechenden Verwendung gelangten Jahresbetrag der Rente für das nächstfolgende Jahr zurückzustellen. Durch Allerhöchsten Erlaß vom 18. Dezember 1899 wurde zur Annahme der Schenkung die landes- herrliche Genehmigung erteilt. Das Kapital ist nach Abzug der gesetzlichen Erbschaftssteuer in 3 ½ prozentigen preußischen Konsols angelegt worden, die im Staatsschuldbuche eingetragen worden sind.

Möge das Gefühl des aufrichrigen Dankes für die reiche Gabe, durch die manchen weniger bemittelten Eltern tüchtiger Schüler es möglich wird, ihren Söhnen ohne allzugroße Opfer die Wohlthat der Gymnasialbildung zuteil werden zu lassen, bei den Zugehörigen der Anstalt nie erlöschen! Das Angedenken an die Geberin und ihren Gemahl, dessen Namen die Stiftung trägt, wird stets an der Anstalt in Ehren gehalten werden.

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UÜber die Beziehungen einiger Zugehöriger der Familie Pedro jung zu der hohen Landesschule. Wenn der Mann, dessen hochherziger Gesinnung das Hanauer Gymnasium die reiche, vor- eerwähnte Stiftung verdankt, auch nicht selbst als Schüler dem Gymnasium angehört hat, so verknüpfen

doch zahlreiche Beziehungen länger als zwei Jahrhunderte hindurch seine Familie mit dieser Anstalt.

Ich erachte es als eine Pflicht der Dankbarkeit, einige dieser Beziehungen, soweit sie nicht mehr Lebende betreffen, hier der Vergessenheit zu entreißen, andere, die schon in den gedruckten Jahres- berichten sich zerstreut vorfinden, wieder in die Erinnerung zu rufen. Wenn diese Mitteilungen nur Bruchstücke sind, so mag zur Entschuldigung dienen der Mangel an innerei Zusammenhange, der Schulakten nun einmal anhaftet, sodann die Kürze der Zeit und die oft schwer zu entziffernde, verblaßte Schrift der Urkunden und die große Zahl der Träger des Namens Jung, die in unseren Akten erwähnt werden, Personen, die in aufsteigender Linie vielleicht in nicht zu großer Ferne alle miteinander verwandt sind, deren Verwandtschaft aber durch unser Aktenmaterial sich nicht feststellen läßt. 1

Zunächst sei daranerinnert, daß ein Bruder des Herrn Pedro Jung Schüler und später Lehrer des Gymnasiums gewesen ist, bis er, veranlaßt durch Umstände, die mit den politischen Kämpfen im ehemaligen Kurfürstentum Hessen zusammenhingen, dem gewählten Lebensberufe entsagen mußte, weil er seine berzeugung den Anordnungen der Behörde nicht zum Opfer bringen wollte.