Jahrgang 
1891
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Das Wintersemester wurde am 13. Oktober eröffnet. Es ward hierbei der wissenschaft- liche Hülfslehrer Hermann Reinhard,*) welcher mit der Versehung einer ordentlichen Lehrer- stelle an unserer Anstalt durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 17. Juni 1890 S. 3539 beauftragt worden war, in sein Amt feierlich eingeführt. Mit dem Beginne des Wintersemesters ward der seitherige Proband Dr. An acker auf sein Nachsuchen als unbesoldeter wissenschaftlicher Hülfslehrer an der Anstalt beschäftigt. Zwei neue Schüler traten an der Anstalt Michaelis ein. Zu gleicher Zeit verliess unsere Anstalt der seitherige unbesoldete wissenschaftliche Hülfslehrer Kromm, nachdem er hier von Ostern 1885 bis dahin 1886 sein Probejahr absolviert und darauf mit kurzen Unterbrechungen als wissenschaftlicher Hülfslehrer thätig gewesen war, um zunächst die Versehung einer Lehrerstelle an der städtischen höheren Töchterschule zu Giessen zu übernehmen. Für seine erfolgreiche Thätigkeit und allzeit bereite Aushülfe in Vertretungsfällen sei ihm hier der schuldige Dank gesagt.

Am 25. Oktober fand eine Vorfeier des 90. Geburtstages des General-Feldmarschalls Grafen von Moltke in der Aula statt. Es wechselten Deklamationen und Gesänge der Schüler. Gymnasial- lehrer Wenning hielt die Festrede, in welcher er das Leben und die Bedeutung des hochver- dienten Mannes für unser Vaterland schilderte.

Am 9. November fand die gemeinschaftliche Feier des heiligen Abendmahles seitens der evangelischen Lehrer und Schüler der Anstalt in der Marienkirche statt.

l)ie Weihnachtsferien dauerten vom Mittag des 23. Dezember bis zum 6. Januar.

Am 27. Januar wurde das Allerhöchste Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. in der Aula festlich begangen. Die Festrede hielt Oberlehrer Schaub über die kolonisatorische Thätigkeit Friedrich d. Gr. Als gemeinschaftliche gesellige Vorfeier hatten für den 26. Januar die Schüler der Prima und Obersekunda ein Tanzkränzchen in dem festlich ge- schmückten Saale des Gasthofes zum Riesen arrangiert. Auch bei dieser Gelegenheit ward der Bedeutung des Tages gedacht und der Liebe zu dem verehrten Fürsten in Ansprache und freudigen Hochrufen Ausdruck gegeben.

Der schriftliche Teil der Osterreifeprüfung fand vom 9. bis zum 12. Februar Statt, die mündliche ward am 5. März unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Regierungs- und Provinzial-Schul- rats Dr. Lahmeyer statt. Derselben unterzogen sich 4 Schüler der Oberprima, welche alle be- standen.

Am Abend des 18. Februar fand eine wohlgelungene musikalische Aufführung in der Aula des Gymnasiums statt, bei Welcher Schüler und einzelne Lehrer mitwirkten. Solovorträge wechselten mit wohleingeübten, von G. L. Henkel geleiteten Chorgesängen. Zum Schluss kam die Haydn-

*) Hermann Reinhard, geb. am 21. Februar 1857 in Hersfeld, Sohn des Kantors RKeinhard, evan- gelischer Konfession, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und wurde Ostern 1876 mit dem Zeugnis der Reife entlassen. Nachdem er die Universitäten Marburg und Leipzig besucht und am 30. Juli 1880 das Examen in der klassischen Philologie und im Deutschen sowie in der Religion vor der wissenschaftlichen Prüfungskommission zu Marburg bestanden hatte, wurde er zur Ableistung des Probejahrs dem städtischen Gymnasium zu Frankfurt a. M. überwiesen. Er unterrichtete nach demselben nur kurze Zeit an dieser Anstalt weiter und war dann in verschiedenen privaten Stellungen, zuletzt 6 ½ Jahre an dem Martineum in Breklum. thätig. Von Michaelis 1890 ab wurde ihm vom Königl. Provinzialschulkollegium zu Cassel die Verwaltung einer ordentlichen Lehrerstelle an dem Gymnasium zu

Hanau übertragen. 3*¾