Jahrgang 
1890
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Durch die Krankheit des Kollegen Lohmann väre der Betrieb des Unterrichts in der empfindlichsten Weise gestört worden, wenn nicht die unbesoldeten wissenschaftlichen Hülfslehrer bereitwilligst seinen Unterricht übernommen hätten.

Vom 29. Oktober bis zum 6. Nov. musste der techmische Lehrer Ruth wegen Krankheit (Scharlachfieber) in seiner Familie dem Unterricht fernbleiben.

Am 3. November begingen die evangelischen Lehrer und Schüler der Anstalt in der Marien- kirche gemeinsam die Feier des heiligen Abendmahles.

Die Weihnachtsferien dauerten vom Mittag des 23. Dez. bis zum 6. Januar.

. Am 27. Januar wurde das Allerhöchste Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. in der Aula festlich begangen. Die Festrede hielt, Oberlehrer Dr. Wackermann über das römische Reich deutscher Nation und das Kaisertum der Hohenzollern.

Der Nachmittag des 6. Februar wurde den Schülern zum Zwecke des Schlittschuhlaufens freigegeben.

Die schriftliche Reifeprüfung, der nur ein Abiturieut sich unterzog, dauerte vom 24. bis 28. Februar.

Im Laufe des Wintersemesters fanden Prüfungen einzelner Klassen statt-

Am 8. März als am Vorabend des Todestages weiland Sr. Majestät Kaiser Wilhelm I., wurde in der Schlussandacht des hochseligen Kaisers gedacht. Desgleichen fand an seinem Ge- burtstage, dem 22. März, eine Erinnerungsfeier an den unvergesslichen Fürsten statt.

Am 21. März fand unter dem Vorsitze des mit der Versehung der Geschäfte des König- lichen Kommissars betrauten Unterzeichneten die mündliche Reifeprüfung statt.

Mit dem Schlusse des Schuljahres erlöscht der dem Pfarrer Wilhelm Zimmermann gegebene Auftrag zur Erteilung von hebräischem und Religionsunterricht. Er scheidet auf seinen Antrag aus dieser Stelle, weil er wegen seines vorgerückten Alters fürchtet, nicht mehr lange mit, der nötigen Kraft dem ihm erteilten Auftrage gerecht werden zu können. Zwanzig Jahre lang hat er an unserer Anstalt, welche er auch als Schüler besucht und im Jahre 1843 mit dem Zeugnis der Reife verlassen hat, segensreich gewirkt, und es verlässt uns demnach derjenige wissenschaftliche Lehrer, welcher mit dem Gymnasium am längsten verwachsen gewesen ist. Gern erfülle ich die Pflicht, dem verdienten, treuen Mitarbeiter auch an dieser Stelle den schuldigen Dank zu sagen. Möge es ihm, nachdem er sich durch Aufgabe seines Nebenamtes Erleichterung verschafft hat, beschieden sein, umgeben vom Kreise der Seinigen seines Hauptamtes als Geist- licher und Seelsorger in Frische des Geistes und in Rüstigkeit des Körpers noch recht lange segensreich zu walten!

Der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler war, wenn man die- gesamten Gesund- heitsverhältnisse des letzten Winters bedenkt, abgesehen von den schweren Verlusten, welche die Anstalt durch den Tod zweier Lehrer betrafen, im allgemeinen nicht ungünstig. Von den Lehrern mussten krankheitshalber Oberlehrer Ricker und Oberlehrer Dr. Wackermann an je 6 Tagen, Oberlehrer Schaub an je 1 Tag, Gymnasiallehrer Henkel an 2 Tagen, Gymnasiallehrer Wennning an 3 Tagen und technischer Lehrer Ruth an 4 Tagen vertreten werden.