Jahrgang 
1890
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Die Sommerferien dauerten vom 7. Juli bis zum 4. August.

Vom 26. bis zum 30. August fand die schriftliche Reifeprüfung statt.

Am Sonntag den 1. Sept. beteiligten sich Lehrer und Schüler der Anstalt in herkömm- licher Weise an dem von dem hiesigen Kriegerverein veranstalteten Zuge nach den Gräbern der im letzten Kriege Gebliebenen. Am 2. September fand vormittags die Sedanfestfeier in der Aula- statt, bei welcher Oberlehrer Dr. Wackermann die Rede hielt. Nachmittags führte ein Sonderzug der Hess. Ludwigsbahn Lehrer und Schüler der Anstalt nebst vielen Angehörigen der letzteren nach Aschaffenburg. Von dort aus zog das Gymnasium unter Vorantritt eines Musikkorps und seines Trommlerkorps nach den herrlichen Parkanlagen des sog. Schönbusch, wo bei Spiel, Gesang, turnerischen Freiübungen und Tanz ein fröhliches Treiben sich entwickelte. Abends kehrten die Teilnehmer mittelst Sonderzuges wieder nach Hanau zurück.

Vom 9. bis zum 14. September war Oberlehrer Dr. Wackermann beurlaubt, um als Abgeordneter des hessischen Geschichtsvereins an den Verhandlungen der Jahresversammlung der deutschen Geschichtsvereine in Metz teilzunehmen.

Mittwoch den 18. September fand die mündliche Reifeprüfung unter dem Vorsitze des Herrn Geheimen Regierungsrats und Provinzial-Schulrats Dr. Lahmeyer statt.

Die Herbstferien dauerten vom 29. September bis zum 13. Oktober.

Das Wintersemester wurde am 14. Oktober nachmittags 3 Uhr mit einer Andacht eröffnet, nachdem vormittags die Prüfung einzelner neu angeméldeter Schüler stattgefunden hatte. Es wurde bei dieser Gelegenheit von dem Direktor der Kandidat Dr. Anacker,*) sowie der in die letzte ordentliche Lehrerstelle berufene, bis dahin als wiss. Hülfslehrer am Hersfelder Gymnasium be- schäftigte Gymnasiallehrer Albert Lohmann**) begrüsst und in ihr Amt feierlich eingeführt. Leider sollte dem letzteren nur eine sehr kurze Thätigkeit an unserer Anstalt beschieden sein. Schon am 19. Oktober erkrankte er heftig an Gelenkrheumatismus, der mit schwerem Herzleiden verbunden war, eine Krankheit, von der er schon früher öfters heimgesucht gewesen War. Es sollte dem berufsfreudigen Lehrer, dessen innigster Wunsch es war, in seinem neuen Amte zu schaffen und zu nützen, die Erfüllung dieses Wunsches versagt bleiben. Nach schwerem Leiden verschied er am 2. Weihnachtstage unter Zurücklassung einer tiefgebeugten Witwe und eines un- mündigen Sohnes. Die hier anwesenden Lehrer und Schüler der Anstalt geleiteten ihn am 28. De- zember zur letzten Ruhestätte.

*) Ferdinand Anacker, geb. 1866 zu Cassel, ev. Konfession, Sohn des Eisenbahn-Stationsvorstehers Anacker zu Warburg(in Westfalen) besuchte von Ostern 1876 bis Ostern 1885 die Gymnasien zu Hersfeld und Warburg. Ostern 1885 mit dem Reifezeugnis entlassen, studierte er bis Herbst 1888 in Leipzig, München, Berlin, Marburg klassische Philologie und Germanistik. Nachdem er am 24. Mai 1889 die philologische Doktorwürde auf Grund einer Dissertation: de orationibus et epistulis Taciti operibus intextis erlangt hatte, trat er am 15. Oktober 1889 sein Probe- jahr am Königl. Gymnasium zu Hanau an. Am 6. Dezember 1889 bestand er das Fakultätsexamen in Marburg.

**) Albert Lohmann, geboren am 18. Juli 1861 zu Cassel, evangelischer Konfession, besuchte das Gym- nasium seiner Vaterstadt(jetzt Friedrichs-Gymnasium), woselbst er Ostern 1879 die Reifeprüfung bestand, und stu- dierte dann auf den Universitäten Leipzig und Marburg klassische Philologie und Geschichte; auf letzterer Universität bestand er am 1. Juni 1883 das Examen pro facultate docendi. Sein pädagogisches Probejahr leistete er am Casseler Gymnasium ab und verblieb später als Hülfslehrer an dieser Anstalt bis Ostern 1885, wo er dieselbe verliess, um seiner militärischen Dienstpflicht zu genügen. Von Ostern 1886 war er als wissenschaftlicher Hülfslehrer am Gym- nasium zu Hersfeld thätig, von wo er Herbst 1889 als ordentlicher Gymnasiallehrer nach Hanau versetzt wurde.

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