Jahrgang 
1837
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Die zweite Abtheilung erhält in zwei Stunden wöchentlichen Unterrichts, nach einem ſtufenweiſe ge⸗ ordneten Lehrgange weitere Ausbildung in der Rhythmik und Melodik. Nachdem die Schüler in der Ton⸗ leiter von e dur ſo geübt ſind, daß ſie alles hierin Gegebene molodiſch und rhythmiſch richtig abſingen, wird der zweiſtimmige, und ſpäzerhin der drei⸗ und vierſtimmige, für Knabenſtimmen geſetzte Geſang ein⸗ geführt. Auch wird in dieſer Abtheilung den dynamiſchen Forderungen zu entſprechen geſucht, welches durch allmähliges Uben in dem Vortrage der verſchiedenen Tonſtärke, wie ſpäterhin des Schwellens und Schwin⸗ dens, Stoßens und Schleifens geſchieht; zugleich wird bei dieſen, wie bei den folgenden Übungen Einiges aus der Intervallenlehre hinzugefügt. Der fortgeſetzte Geſangunterricht dieſer Claſſe zieht nun allmählig die chromatiſchen Erhöhungen und Erniedrigungen, ſo wie ſpäterhin die gebräuchlichſten transponirten Dur⸗ und Molltonarten in ſeinen Kreis. Hierbei wird den Schuͤlern erklärt, wie ſich dieſe transponirten Ton⸗ arten aus den Normaltonleitern von e dur und a moll naturgemäß entwickeln, und die Geſangubungen aus dieſen Tonarten werden ſo lange fortgeſetzt, bis die Schüler dieſer Abtheilung im Stande ſind, einen Geſang, der ihre Kräfte nicht überſteigt, ein- und mehrſtimmig ohne vorherige Einuͤbung richtig abzuſingen.

Die zu dieſer Abtheilung beſtimmten Geſänge beſtehen in zwei⸗, drei⸗ und vierſtimmigen, für So⸗ pran⸗ und Altſtimmen geſetzten Figuralmelodien; die Choräle jedoch werden, um auf die Verbeſſerung des Kirchengeſangs einzuwirken, nur einſtimmig eingeübt. Die Figuralgeſänge ſind aus den Schulgeſang⸗ büchern von Nedelmann, Erk, Nägeli, Hientſch u. a. entnommen.

In der erſten Abtheilung werden ÜUbungen in dem Vortrage größerer muſikaliſcher Sätze vorgenom⸗ men. Dieſe haben hauptſächlich den Zweck, das Dynamiſche(Geiſtige, Belebende), jedoch mit Beziehung auf das Melodiſche und Rhythmiſche, hervorzuheben. Kraft, Milde, Feuer, Weichheit, Wehmuth, Fülle des Vortrags ſind die vorzüglichſten, hier zu berückſichtigenden Puncte. Auch viele Beſtimmungen, hin⸗ ſichtlich des harmoniſchen Geſangs, der in immer größerer Ausdehnuug vorherrſchend wird, treten jetzt in den Unterricht ein; die ſchwierigſten melodiſchen und rhythmiſchen Verhältniſſe kommen ergänzend und vollendend hinzu. Auch wird in dieſer erſten Abtheilung dasjenige aus der Theorie der Muſik, was jeder gebildete Sänger wiſſen muß, in größerem Umfange, als früͤher, gelegentlich mitggetheilt.

Die Geſangſtücke, welche hier ausgeführt werden, beſtehen in drei⸗ und vierſtimmigen Chorälen und Figuralgeſängen für Sopran, Alt, Tenor und Baß und für Männerſtimmen. Die Choräle ſind aus den Choralbüchern von Hering, Blügel, Rink, Fiſcher, Schicht, Marr, Kühnau, Fr. Schnei⸗ der, Hiller u. a. entnommen, und zu den drei⸗ und vierſtimmigen figurirten Geſängen, als Liedern, Motetten, Chören, Fugen ꝛc. werden die Sammlungen von Erk, Nägeli, die Cäcilie von Sander, die Sammlungen von Hientſch, Schulz, Rink, Reinhard und andere gediegene hierhergehörige Compoſitionen benutzt.

Der gemeinſchaftliche Choralgeſang ſämmtlicher Schuͤler des Gymnaſiums findet in paſſenden Stun⸗ den von Zeit zu Zeit Statt.