Jahrgang 
1837
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B. Sachunterricht.

1. Religion.

Bevor ſich dieſer Plan uͤber den Lehrſtoff, welcher den einzelnen Claſſen zugetheilt werden ſoll, näher ausſpricht, mögen einige Worte andeuten, 1) welche Wirkungen dieſer Unterricht bezweckt, und 2) wie er ſich zu den, vielfach von einander abweichenden, Religionsanſichten in der proteſtantiſchen Kirche verhalten ſoll.

Was den erſten Punct betrifft, ſo werden ſich die Lehrer nicht darauf beſchränken, ihre Schüler zur Erkenntniß der Religionslehren zu führen, ihnen die wichtigſten Wahrheiten des Chriſtenthums mitzuthei⸗ len, oder dieſe mit ihnen aufzuſuchen. Vielmehr werden ſie mit gleichem Eifer auf Belebung des religiö⸗ ſen Gefühls, auf Erbauung hinwirken, damit die Lehre zur Gottſeligkeit nicht als etwas Außerliches, Frem⸗ des, ſondern als eine Wohlthat erſcheine, die Jeder an ſich erleben, die er mit ſeinem Weſen in die innigſte Verbindung bringen ſoll.

Darum möge dieſem Unterrichte die erſte Lehrſtunde des Tages zufallen, der Lehrer möge ihn mit Gebet, oder mit einer erhebenden Anrede beginnen, und ſowohl bei dem Anfang, als während der Dauer deſſelben eine feierliche Stimmung bewahren. Alles, was die Andacht ſtören könnte, werde auf ſpätere Stunden verwieſen.

Beſonders wichtig, aber auch eben ſo ſchwierig iſt es zweitens, das Verhältniß des Unterrichts zu den abweichenden Lehrmeinungen zu beſtimmen, eine Schwierigkeit, die überhaupt nicht, und am wenigſten da mit Stillſchweigen übergangen werden darf, wo ſich, wie es bei dem hieſigen Gymnaſium der Fall iſt, mehrere Lehrer in den Religionsunterricht theilen. Es läßt ſich nicht verlangen, daß der einzelne Lehrer ſeine Anſicht einem, von der Mehrzahl der Lehrer erwählten, Glaubensbekenntniſſe aufopfern ſolle. Ja, auch abgeſehen von dem Entwuͤrdigenden dieſer Forderung, iſt es nicht einmal zu wünſchen; denn die Er bauung, ein Hauptzweck dieſes Unterrichts, würde bei ſolcher Nachgiebigkeit und Unentſchiedenheit offenbar verlieren. Erwägt man aber von der andern Seite, wie nothwendig für jeglichen Unterricht Einheit iſt, ſo könnte man leicht auf jene Forderung zurückkommen. Um dieſen Widerſtreit möglichſt auszugleichen, wird es gerathen ſeyn, Lehrbücher, in welchen eine zu einſeitige religiöſe Anficht herrſcht, auszuſchließen, und ſich einfach an die Bibel und an Bücher, die in ihrem Geiſte abgefaßt ſind, zu halten. Ohnehin iſt ja das Gymnaſium beſtimmt, einer freien wiſſenſchaftlichen Erkenntniß die Bahn zu brechen; es liegt alſo in ſeinem Streben, ſeinen Schülern keine einſeitige Richtung mitzutheilen. Unverholen mag der einzelne Lehrer ſeine chriſtliche Überzeugung ausſprechen; nur rede er ſtets mit CEhrfurcht und Beſcheidenheit von den entgegengeſetzten. In dieſem Sinn kann er auch den Forſchungen und etwaigen Zweifeln ſeiner Schü⸗ ler mit Milde und Wuͤrde begegnen, ohne dabei in Lauigkeit zu gerathen. Und ſo wird auch bei ver⸗ ſchiedenen Anſichten der Lehrer in dem Gymnaſium ein chriſtlicher Geiſt gedeihen.

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