9
Köhler(Cassel), Hans Hämer(Cassel), Otto Gerecht(Holfgeismer), Wilhelm Schalles(Cassel), Ernst Schreiber (Cassel), Bruno Stippich(Hohenkirchen), Willy Wagner(Hofgeismar), Walter Köhler(Cassel), Fritz Buchholtz (Gembitz, Kreis Czarnikau). Sie stehen zum Teil schon im Felde; Stippich und Schalles haben uns Grüße aus den Schützengräben vor Rewa gesandt.
In manniglacher Weise wurde unser Schulleben von den Ereignissen im Felde beeinflußt: Oft vor Be- ginn des Unterrichts berichtete ein Lehrer oder ein Schüler kürzer oder länger über die Fortschritte unseres Heeres, seine Stellung und Kämpfe mit ihrer Bedeutung; Skizzen wurden an die Talel gezeichnet, Erläuterungen gegeben, Möglichkeiten eröfinet, und bald war es der Westen, bald mehr der Osten, der unsere besondere Teilnahme in An- spruch nahm. Und rühmend wird anerkannt, daß nach Klarstellung der Sachlage es unsere Schüler nachher nicht an der Aufmerksamkeit dem Pensum gegenüber fehlen ließen. AKuch der Unterricht selbst— Geschichte, Religion, fremdsprachliche Lektüre, der deutsche Unterricht— halte vielfach Gelegenheit, aus dem engen Raum der Schule die Fäden hinauszuspinnen zu dem Ringen unserer Brüder in Not und Ruhm im Feindesland. Folgende Hufsatz- Tnemata der Untersekunda fanden verständnisvolle Behandlung und verrieten zum Teil tieler gehende Anteilnahme an den Ereignissen: Am Bahnhof: Erlebnisse im August 1914; An den Grenzen unseres Vaterlandes; Fichtes Mah- nung zur würdigen Haltung an das besiegte preußische Volk; Deutsche Wünsche für Weihnachten 1914; Der Ver- lauf des Weltkrieges im Jahre 1914; Unser täglich Brot gieb uns heute[Prüfungsthemal.
Freilich am schönsten waren die großen Siegestage. Dann schollen aus den Klassen die vaterländischen Lieder(oft aus jeder Klasse ein anderes), der Anfang des Unterrichts wurde um einige Minuten verzögert, die vor- handenen Fahnen aus den Fenstern gehängt, und es mochte eine Zeitlang drunter und drüber gehen. Dann nach dem Klingeln ebbte die Flut in ihre alten Bahnen zurück. Auch an schulfreien Tagen hat es nicht gefehlt.
Der hier und in den Nachbarorten gebildeten Jugendwehr gehören 9 Schüler unserer Anslalt an. Ihr Leiter ist hier Herr Zeichenlehrer Faust. Bis jetzt fanden die Ubungen Sonntags nachmittags statt. Jeden Donnerstag Abend ist Dienstunterricht. Die Rusbildung erfolgt im Sione der vom Herrn Kriegsminister gegebenen „Richtlinien“, mit dem Ziele, daß die militärische Vorbereitung eine unmittelbare Vorschule für den Dienst im Heere und in der Marine ist. Unsere Jungmannschalt, in der die Kinder aller Stände vertreten sind, macht einen vor- züglichen Eindruck, fast wie eine begeisterte Rekrutenschar.
Auch unsere Kaisersgeburtstag-Feier, die am Vorabend im Saale des Deutschen Kaiser staitfand, stand unter dem Eindruck der großen Zeit. Die Festrede, die Herr Prof. Dr. Andrae hielt, zeigte uns das echte Bild des deutschen Militarismus im Gegensatz zu den Entstellungen unserer Feinde. Die Deklamationen waren der neuesten Kriegslyrik entnommen. Eine besondere Freude war es für uns, den Verwundeten im Lazarett Gesundbrunnen am Festtage selbst eine Feier bereiten zu können. Vorträge und Gesänge unserer Jugend wechselten ab mit musi- kalischen Darbietungen der Herren Oberlehrer Schmid und Zeichenlehrer Faust. Sie fanden dankbare Kufnahme. Die vom Herrn Minister übersandte Prämie:„Aul— Uber— Unter dem Wasser“ von Leberecht, erhielt Wigbert Müllerr(UII), die von der Anstalt gestiftete:„Deutschlands Jugend“ erhielt Ferdinand Has(UIII).
Die von unseren Schülern veranstalteten Goldsammlungen ergaben in wenigen Wochen bisher das Resultat von 12000 Mark, trotzdem schon vorher die Ablieferung eines jeden Goldstücks von einem hiesigen Bürger mit einer Prämie belohnt worden war.


