Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

8

1915 wurde noch Oberlehrer Dr. Keyl zur Ersatzreserve eingezogen. Bisher ist es weder den Bemühungen der Behörde noch des Direktors gelungen, eine Vertretung lür ihn zu erlangen. Nur ein Teil seiner Lehrstunden konnte vom Lehrerkollegium mit übernommen werden. Die Schlußprüfung fand statt vom 15. bis 23. März. 11 Schüler der Untersekunda bestanden dieselbe. Im Kuratorium ist keine Veränderung eingetreten. Es besteht außer dem Direktor aus den Herren: Land- rat Riedesel Freiherr zu Eisenbach(Vors.), Bürgermeister Hotiejan, Pfarrer Weiß, Rentmeister Jordan und Bäcker- meister Eichenberg.

Der Krieg.

Mit dem 1. August trat auch unsere Schule in das Zeichen des Krieges. Ins Feld zogen Oberlehrer Robert Böhaning, die wissenschaftlichen Hilfslehrer Unteroffizier d. R. Peter Aumüller und Leutnant Paul Brasching. Schon am 12. AKugust teilte letzterer von Sennheim im Elsass seine Verwundung in der Schlacht von Mülhausen mit, wo Westfalen und Elsässer gemeinsam ihre Feuertaufe erhielten. Er lag 6 Stunden in der Feuerlinie an expo- nierter Stelle, wo ihn eine tiefe Fleischwunde kamplunfähig machte. Er schrieb:Bis jetzt sind unsere Truppen auf der ganzen Linie siegreich. Fast wiederhergestellt besuchte er unsere finstalt und konnte vor den strahlenden ugen seiner Schüler seine Erlebnisse erzählen. Nach längerem(arnisondienst steht er im Begrifft, von neuem in die Front zu gehen, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz. Vizefeldwebel Robert Böhning mußte nach Rußland, er machte die Schlacht von Opatow mit, die in einHasentreiben endete, nahm teil an dem strategischen Rückzug Hindenburgs, lag längere Zeit vor Lodz als Höhlenbewohner zwei Meter unter der Erde und wurde wahrscheinlich bei einer nächtlichen Patrouille in einem Gehölz verwundet und von den Russen gefangen genommen. Seit der Mitte des Monats Dezember fehlt jede Nachricht von ihm. Unteroffizier d. Res. im Infanterie-Regiment 167 Kumüller zog mit dem 11. Irmeekorps in 3tägigem Gewallmarsch vor, Namur. Von Belgien nach Osipreussen geschickt, nahm er an der ersten Schlacht an den Masurischen Seen gegen Rennenkampf teil. Er schrieb uns:Am 10. Sept. haben wir zum ersten mal in russischem Feuer gestanden. Innerhalb 5 Minuten waren 40 Mann der KRompagnie gefallen. Ebenso erging es uns geslern; sämtliche Offiziere der Kompagnie siad verwundet, sodaß z. Zt. ein Vize- feldwebel, ein Kollege, die stark zusammengeschmolzene KRompagnie führt. Wir haben 400 Gelangene gemacht, darunter befand sich cin General. Kugenblicklich befinde ich mich bei einem Gefangenentransport von 1400 Mann; der Rest der Kompagnie beteiligt sich an der Verfolgung der Feinde.... Groß waren die Oplfer, aber die Aufgabe ist glänzend gelöst. Später lag er vor Rawa und füllte seineRuhezeit mit Sandgraben und Maschinen- dreschen aus. Auch Hans Koltermann, der im Herbst 1913 sein Probejahr an unsrer nstalt beendete, hat unser öfters gedacht. Seine anschaulichen, heiteren Briefe waren uns typische Denkmäler deutschen Soldatensinns. Er gehörte zur 4. Armcee, der des Herzogs Albrecht von Württemberg, wahrscheinlich zu deren äußerstem linken Flügel, half die Franzosen im heftigen Gefecht von Longlier und in der verlustreichen Schlacht bei Bertrix zurück- werfen, durchquerte die Ardennen in anstrengenden Nachtmärschen, nahm teil an den Erfolgen des siegreichen Artilleriekampfes bei Matton, der ihnen den Rustritt aus dem Gebirge bewirkte, drang unaufhaltsam mit den Truppen über die Maas bis in die Nähe von Sedan vor und war, in den vordersten Linien kämpfend, wiederholt heftigem Artillerie- und Infanterie-Feuer ausgesetzt. In einem Sturmangriff gegen Schützengräben erhielt seine Kompagnie vernichtendes Flankenfeuer, und auch er wurde in Zeit von noch nicht einer Minute durch einen Schuß durch den rechten Arm und einen Prellschuß gegen die Brust getroffen. Ils nach Verlauf mebrerer Wochen sein Irm im Lazarett zu Magdeburg wieder gebrauchsfähig geworden war, trieb es ihn voll Freude von neuem in die Front. Er kam in die Schützengräben bei Roye gegenüber dem Dorfe Quesnoy, erhielt das Eiserne Kreuz und wurde kurz hintereinander zum Vizefeldwebel und Leutnant der Reserve ernannt. Längere Zeit war sein Unterstand in der dickflüssigen Masse des undurchlässigen Lehms, Regen, Sturm und Schnee ausgesetzt, aber die Laune des alten Wandervogels blieb davon unberührt. Von dieser mögen ſolgende Zeilen Kunde geben:Der Schweinebraten war die Sensation eines ganzen langen Tages im Schützengraben. Ich glaube, daß der liebliche Geruch bis herüber zu den Franzmännern gedrungen ist, denn noch in derselben Nacht meldete sich ein Uberläufer bei meinem Lauscher- posten; wir konnten aber leider nichts mehr abgeben.--- und dann immer die Russicht auf eine unerwünschte Himmelfahrt mit Hilfe von Dynamit und Nitroglyzerin. Denn warum sollten nicht die Franzosen mit ihrem Minen- gang eher fertig werden als wir? ja, Göthe hat recht: Ihr glücklichen Kugen, was je ihr gesehn, es sei was es wolle, es war doch zu schön! Sie zu schaffen wird mehr noch als bisher die Zukuaft von Haus und Schule fordern.

Entrüstung und Begeislerung llammte auch in den Herzen unserer Schüler, und hätte nicht die Last allzu großer Jugend noch manchen bedrückt, so ständen vielleicht unsre beiden oberen Klassen leer. Notprüfungen fanden statt am 24. August, am 25. September, am 4. und am 18. Februar. Es bestanden folgende Untersekundaner: Wilhelm Blum(Cassel), Helmut Brenssell(Cassel), Heinrich Höhne(Cassel), Fritz Röhler(Holgeismar), Heinrich