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Zur Ableistung des Probejahres wurde der Kandidat Weiss von hier, bis dahin Seminar- kandidat am Gymnasium zu Hersfeld, der Anstalt überwiesen. Aber schon am 1. Mai musste er seine hiesige Tätigkeit unterbrechen, um einen Oberlehrer am Gymnasium zu Corbach bis Pfingsten, und später von Ende August bis zum 30. September, um einen Oberlehrer am Gymnasium in Höchst a./M. zu vertreten. Am 1. Oktober verliess er die Anstalt, um in Arolsen seiner Militärpflicht zu genügen.
Am 12. Mai beehrte der Herr Provinzial-Schulrat Kanzow die Anstalt mit einem Besuch und wohnte dem Unterricht in allen Klassen bei.
Am 22. Mai wurde die herkömmliche Turnfahrt unternommen und zwar von den oberen Klassen in Begleitung der Herren Oberl. Schmid und wiss. Hilfslehrer Dr. Westenberger nach Carlshafen, Neuhaus und Höxter, von den unteren in Begleitung des Herrn Zeichenlehrers Faust nach Mönchehof, Wilhelmstal, Wilhelmshöhe und Cassel. Beide Abteilungen kehrten sehr befriedigt am Abend hierher zurück.
Zu Pfingsten sah sich der Professor Dr. Krickau wegen eines Nervenleidens, das ihn schon im vorigen Schuljahre längere Zeit von der Schule fern gehalten hatte, genötigt, seine Tätigkeit an der Anstalt einzustellen. Er wurde bis zum Herbst beurlaubt und trat am 1. Oktober in den Ruhestand. Im Herbst 1875 wurde er der Anstalt als wissenschaftlicher Hilfslehrer und zugleich zur Ableistung des Probejahrs überwiesen und hat ihr dann 36 Jahre lang seine ganze Kraft gewidmet und wesentlich zu ihrem Emporblühen beigetragen. Reiches Wissen und langjährige Erfahrung machten ihn zu einem geschätzten Mitgliede des Lehrer- kollegiums. Seine Schüler erfuhren von ihm, der sie zu ernstem Arbeiten anhielt und nicht geringe Anforderungen stellte, eine vortreffliche geistige Schulung und nachhaltige Förderung in ihrem Wissen und Können. Die Schule wird ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Von dem Königlichen Provinzial-Schulkollegium wurde ihm für die langjährige treue und erfolgreiche Wirksamkeit im Schuldienste schriftlich Dank und Anerkennung zuteil, und von Seiner Majestät dem Kaiser und König wurde ihm der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. Leider sollte er nicht lange der wohlverdienten Ruhe geniessen. Am 2. März erlöste ihn der Tod von seinem langen und schweren Leiden. Lehrer und Schüler geleiteten den verdienten Mann am 5. März zu seiner letzten Ruhestätte.
Die Vertretung des Professors Dr. Krickau übernahm in den Religionsstunden der Studiendirektor Merzyn vom hiesigen Gesundbrunnen, der uns schon im vorigen Schuljahre freundlichst Hilfe geleistet, der Probekandidat Weiss und der Seminarkandidat Fahrenholz von der Oberrealschule l in Cassel.
Im Anschluss an die Sommerferien war der Professor Dr. Hossfeld 8 Tage vor und nach denselben zum Gebrauche einer Badekur beurlaubt und wurde von den Kollegen vertreten.
Am 2. September wurde der Tag von Sedan durch Deklamationen, Gesang und eine Ansprache des Unterzeichneten festlich begangen.
Mit Beginn des Winterhalbjahres übernahm der Oberlehrer Böhning die durch den Abgang des Professors Dr. Krickau frei gewordene Oberlehrerstelle. UÜber seinen Lebensgang sei hier folgendes mitgeteilt:
Robert Böhning, geb. in Hannover 1884, erhielt seine Vorbildung auf dem Herzoglichen Realgymnasium zu Braun- schweig, das er Ostern 1903 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Er studierte dann in Göttingen Philologie und bestand daselbst im Jali 1908 die Präfung fär das höhere Lehramt. Von kerbst 1908 bis ebendahin 1900 leistete er am Gymnasium in Fulda sein Seminarjahr ab und genügte dann seiner Militärpflicht bei dem 92. Infanterie-Regiment in Braunschweig. Nachdem er hierauf an der Oberrealschule in Marburg und am Reformgymnasium zu Erankfurt- Sachsenhausen sein Probejahr abgeleistet, wurde er zum 1. Oktober 191! als Oberlehrer an die hiesige Anstalt berufen.
Während des Winterhalbjahres war der Professor Franz wegen Krankheit beurlaubt. Seine Vertretung übernanm der Kandidat Fahrenholz, der der Anstalt zur Ableistung des Probejahrs überwiesen war.
Am 27. Januar fand zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers ein Festakt mit Deklamationen und Gesangsvorträgen statt. Die Festrede hielt der Professor Dr. Hoss- feld über Friedrich den Grossen.


