Jahrgang 
1890
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23. Januar. Die Einführung der Normalstimmung(sog. Pariser Stimmung) beim Gesangunterricht vom 1. April 1890 ab wird angeordnet.

30. Januar. Die eingereichten Entwürfe zu einem Lehrplane für das Französische sollen bis auf weiteres dem Unterrichte zu Grunde gelegt werden. Da die Gegensätze in der Methodik des Unterrichts in den neueren Sprachen noch nicht zur vollen Ausgleichung gekommen, so werden zur Zeit bindende Vorschriften über den Betrieb des französischen Unterrichts noch nicht gegeben, sondern es wird den einzelnen Schulen bis auf weiteres eine freiere Bahn der Gestaltung gelassen.

green III. Chronik der Schule.

Das neue Schuljahr begann am 29. April mit der Aufnahmeprüfung. Am Nachmittag desselben Tages wurden nach einer gemeinsamen Andacht die neuanfgenommenen Schüler mit der Schulordnung bekannt gemacht und zur gewissenhaften Befolgung derselben verpfichtet.

Die Pfingstferien dauerten vom 8. bis 12. Jani.

Am 20. Juni machten die beiden oberen Klassen unter Führung der Herren Dr. Hossfeld. und Ruwoldt eine Turnfahrt auf den Meissner, während die unteren Klassen in Begleitung des Unterzeichneten und der Herrn Dr. Krickau und Franz 9einen grösseren Spaziergang durch den Stadtwald auf den Ahrenskopf unternahmen.

Die Sommerferien dauerten 4 Wochen vom 7. Juli ab.

Am 9. Juli wurde der ordentliche Lehrer August Hossfeld auf Grund einer Abhand- lung über das Fadenpendel nach bestandenem Rigorosum von der philosophischen Fakultät der Universität Marburg zum Dr. phil. promoviert.

Am Nachmittag des 5. August fand im Anschluss an das hier abgehaltene Turnfest ein Schauturnen der Schüler statt, bestehend in Freiübungen, Gerätturnen und Preisturnen. Die- besten Turner erhielten als Anerkennung für ihre Leistungen vom hiesigen Turnverein gestiftete Diplome.

1 Am 14. August fiel aus Anlass der an diesem Tage in hiesiger Stadt abgehaltenen Jahres- versammlung des Gustav-Adolf-Vereins mit Genehmigung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums der Unterricht aus. Die Lehrer und evangelischen Schüler besuchten am Vormittag den Fest- gottesdienst; am Nachmittage wurden vom Gesangchore auf dem Gesundbrunnen einige Gesang- stücke vorgetragen.

Am 31. August wurde zur Vorfeier des Sedantages in herkömmlicher Weise ein Schul- aktus abgehalten, bei welchem Herr Franz die Ansprache hielt. Am Nachmittage machten sämtliche Klassen einen Spaziergang auf den Schöneberg und Gesundbrunnen.

Die Herbstferien dauerten vom 29. September bis zum 13. Oktober.

Während des Wintersemesters war der ordentliche Lehrer Franz zur Teilnahme an einem Kursus an der Tarnlehrer-Bildungsanstalt zu Berlin einberufen. Zu seinem Stellvertreter wurde mit Genehmigung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums der wissenschaftliche Hülfs- lehrer Brandt aus Ludwigslust i M. bestellt.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember bis zum 6. Januar.

Am 27. Januar wurde der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers in herkömmlicher Weise durch eine öffentliche Schulfeier festlich begangen, bei welcher Herr Pfatff die Fest- rede hielt.

Die Geburts- und Todestage der beiden Hochseligen Kaiser Wilhelms I. und Friedrichs wurden im engeren Kreise der Schule jedesmal im Anschluss an die Morgenandacht durch eine Gedächtnisfeier begangen.

Der Entlassungsprüfung unterzog sich ein Obersekundaner. Die schriftlichen Prüfungs- arbeiten wurden vom 10. bis 14. Februar angefertigt. Die mündliche Prüfung wurde dem Abiturienten auf Grund seiner Klassenleistungen und des günstigen Ausfalls der schriftlichen Prüfungsarbeiten erlassen.

Von den Lehrern mussten während des verfiossenen Schuljahres wegen Krankheit oder Beurlaubung Herr Dr. Krickau an 8, Herr Dr. Hossfeld an 3, Herr Beinhauer an 2, Herr Brandt und Herr Ruwoldt an je 3 Tagen vertreten werden..