— 12—
Herr Oberlehrer Dr. Lauer vom 15. April an zu einer achtwöchigen militärischen Ubung einberufen war. Die Vertretung des Direktors in den Direktionsgeschäften übernahm Herr Prof. Brötz, in den Unterrichtsstunden das Lehrerkollegium; Herr Dr. Lauer wurde durch den wissenschaftlichen Hilfslehrer Herrn Wilhelm Lendle vertreten. Im Laufe des Sommer- halbjahres mußten dann noch die Herren Professoren Dr. Sieke, Franke und Gerlach wegen Krankheit längere Zeit den Unterricht aussetzen, und Herr Prof. Dr. Erxleben wurde zur Herstellung seiner Gesundheit im Anschluß an die Sommerferien auf weitere 14 Tage beurlaubt. In allen diesen Fällen übernahm das Lehrerkollegium die Vertretung. Im Winterhalbjahr konnte zunächst Herr Prof. Franke seinen Dienst noch nicht wieder aufnehmen, sodann mußte Herr Prof. Gerlach infolge Erkrankung 3 Wochen im November und dann wieder von Neujahr bis zum Schluß des Schuljahres dem Unterricht fernbleiben. Die Vertretung für Herrn Prof. Franke übernahm Herr Kandidat Dr. Helfenbein, für Herrn Prof. Gerlach zunächst das Lehrerkollegium; dann wurde vom 23. Januar an der wissenschaftliche Hilfslehrer Ierr Fischbach mit der Vertretung beauftragt. Auch sonst wurden durch Erkrankungen einzelner Lehrer kürzere und längere Vertretungen notwendig, die das Lehrerkollegium übernahm. Außerdem mußte der Direktor und Herr Pfarrer Schmitt in der Zeit vom 5. bis zum 14. November vertreten werden, wo sie an der Bezirkssynode des Konsistorialbezirks Wiesbaden teilnahmen.
Der Gesundheitszustand der Schüler war durchaus befriedigend. Leider wurde der Anstalt ein braver Schüler der 2. Vorschulklasse, Heinrich Quirin aus Nied, durch den Tod entrissen. Sein Klassenleiter und seine Klassengenossen geleiteten ihn zur letzten Ruhe.
Die Ferienordnung war folgende: Pfingsten: Samstag, den 25. Mai bis Montag den 3. Juni; Sommer: Samstag, den 20. Juli bis Montag, den 19. August; Herbst: Sonntag, den 6. Oktober bis Donnerstag, den 17. Oktober; Weihnachten: Samstag, den 21. Dezember bis Donnerstag, den 2. Januar; Ostern: Donnerstag, den 20. März bis Donnerstag, den 3. April. Infolge der großen Hitze mußte im Juli an mehreren Tagen der Unterricht schon um 11 Uhr geschlossen werden.
Am 24. Mai wurden von allen Klassen Schulausflüge veranstaltet, teils nach dem Rhein und dem Taunus, teils nach dem Spessart und nach der Bergstraße.— Auch der Wanderverein„Wandervogel“ unternahm kürzere und längere Wanderungen.
An dem von dem Ruderklub Nassovia veranstalteten und geleiteten Schülerrudern nahmen mehrere Schüler der oberen Klassen teil. Dem Ruderklub Nassovia spreche ich auch an dieser Stelle für seine auf Hebung des Rudersports unter den Schülern gerichteten Be- strebungen den Dank der Anstalt aus.
Zur Förderung der Bewegungsspiele wurden auch in diesem Jahre unter der Leitung des Lehrers am Gymnasium Herrn Abel zwei Spielnachmittage eingerichtet, woran sich zahlreiche Schüler beteiligten. Dem Fubßballklub Höchst 1901, der für, diese Bewegungsspiele seinen Sportplatz zur Verfügung gestellt hat, sei hierdurch auch hier der Dank der Anstalt ausgesprochen.
Die Erinnerung an den Tag von Sedan wurde am 2. September in herkömmlicher Weise durch einen öffentlichen Festakt begangen, wobei der Oberprimaner Litzinger einen Vortrag über Theodor Storm hielt.
Am 27. Januar beging die Anstalt unter zahlreicher Beteiligung die Feier des Ge- burtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs mit Gesang, Deklamation und Vorträgen des Schülerorchesters. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Rüssel über die Dichter der Freiheitskriege. Das auf Befehl Sr. Majestät der Anstalt als Prämie überwiesene Werk: Wislicenus,„Deutschlands Seemacht“ wurde nach einem Beschluß der Konferenz dem Ober- primaner Hermann Weidgen verliehen und vom Direktor überreicht.
Eine Revision der Anstalt fand am 28. und 29. Oktober durch Herrn Provinzial- schulrat Kanzow statt.— Außerdem wurde am 13. September der Zeichenunterricht an der Anstalt durch den von dem Herrn Minister beauftragten Herrn Professor Jung aus Kassel einer Revision unterzogen.
Eine Reifeprüfung wurde nur Ostern abgehalten. Die schriftlichen Arbeiten wurden in den Tagen vom 21. bis zum 25. Januar geschrieben. Die mündliche Prüfung fand


