Jahrgang 
1911
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Mit Beginn des Schuljahres wurde der Kandidat des höheren Lehramts Kraemer zur Fortsetzung seines Probejahres dem Gymnasium zu Dillenburg, dagegen der anstellungs- fähige Kandidat Ludwig Müller der hiesigen Anstalt zur Beschäftigung überwiesen. Dieser übernahm den Unterricht des zu einer achtwöchigen militärischen Dienstleistung einberufenen Oberlehrers Schlegel. Nach Beendigung dieser Vertretung kehrte Kandidat Müller an die Sachsenhäuser Oberrealschule in Frankfurt a. M. zurück.

Am 25. Mai beteiligten sich die evangelischen Schüler der Anstalt an dem Festzug und Gottesdienst aus Anlaß des in Höchst stattfindenden Jahresfestes des Hauptvereins Wies- baden der Gustav Adolf-Stiftung. Mit Rücksicht auf dieses Fest, sowie auf das am folgenden Tage stattfindende Fronleichnamsfest wurden die Pfingstferien mit Genehmigung des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums in der Wcise verändert, daß der Unterricht am 14. Mai mittags 1 Uhr schloß und am 27. Mai vormittags wieder begann.

Am 28. Mai nahmen zahlreiche Mitglieder des Lehrerkollegiums an der Hauptver- sammlung des Philologen-Vereins für Hessen-Nassau und Waldeck in Wiesbaden teil.

Am 16. Juni machten sämtliche Klassen unter Leitung ihrer Klassenlehrer Ausflüge, teils nach dem Taunus und dem Rheingau, teils nach dem Odenwald und Spessart.

An den beiden folgenden Tagen wohnte Herr Provinzialschulrat Dr. Waßner dem Unterricht in allen Klassen bei.

Zur Förderung der Bewegungsspiele wurden auch in diesem Jahre unter Leitung des Lehrers am Gymnasium Abel zwei Spielnachmittagc eingerichtet, woran sich die Schüler, besonders der mittleren Klassen, gern und zahlreich beteiligten. Dem Verein für Gesundheitspflege sei für die Ueberlassung seines Spielplatzes für diese Spiele auch an dieser Stelle der Dank der Anstalt ausgesprochen.

Leider ließ die Beteiligung an der Ruder-Abteilung wieder zu wünschen übrig, obwohl der Ruderklub Nassovia auch in diesem Jahre alle auf Hebung des Rudersports unter den Schülern gerichteten Bestrebungen mit großer Bereitwilligkeit unterstützte.

Dagegen erfreute sich der im Laufe des Jahres durch die Bemühungen der Vorschul- lehrer Stoll und Vollmer ins Leben gerufene WandervereinWandervogel einer regen Teilnahme. Nachdem auf einer Reihe von Sonntags- und kürzeren Ferienwanderungen ge- nügende Erfahrungen gesammelt waren, unternahm Vorschullehrer Stoll während der Sommer- ferien mit 14 Schülern(darunter 9 Tertianern) eine siebentägige Fahrt in den Westerwald. Die Teilnehmer lernten dabei nicht nur die schönsten Gegenden dieses noch so wenig ge- kannten Gebirges und ein Stück Lahntal kennen, sondern hatten auch Gelegenheit, die Brunnenanlagen in Oberselters, einen großen Basaltsteinbruch bei Frickhofen, die Keramische Fachschule in Hôhr, sowie den Dom und den Domschatz in Limburg und die Klöster Marienstatt und Arenberg zu besichtigen. Die Marschzeit betrug am ersten Tag 7 Stunden (meist bergab und bei bedecktem Himmel), an den übrigen 3 bis 5 Stunden. Die Kosten für diese siebentägige Fahrt betrugen einschließlich 3 M. Fahrgeld nur 9 M., standen also in keinem Verhältnis zu dem, was den Schülern geboten wurde. Die Tour verlief ohne jeden Unfall, zur größten Zufriedenheit aller Teilnehmer. Bemerkt sei noch, daß das Verbot alkohol- haltiger Getränke in jeder Form streng beachtet wird. Mòöge das Unternehmen einen gedeihlichen Fortgang nehmen zum Wohle unsrer Jugend.

Am 15. Juli fand eine gemeinsame Schulfeier zur Erinnerung an den 100 jährigen Todestag der Königin Luise statt, wobei Oberlehrer Dr. Kling die Festrede hielt.

Die Sommerferien fielen in die Zeit vom 16. Juli bis zum 16. August.

Die schriftlichen Arbeiten der Herbst-Reifeprüfung wurden in den Tagen vom 26. bis 30. August angefertigt. Die mündliche Prüfung fand am 14. September unter dem Vorsitz des unterzeichneten Direktors statt. 4 Oberprimanern wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt. Im Laufe des August wurde Herr Provinzialschulrat Dr. Waßner, der im Oktober 1909 das Dezernat über die Anstalt übernommen hatte, an das Provinzial-Schulkollegium zu Berlin versetzt. Trotz der Kürze der Zeit hatte sich der Herr Provinzialschulrat die Ver- echrung des Lehrerkollegiums in hohem Maße erworben, und der unterzeichnete Direktor