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Zur Ablegung seines Probejahres wurde der Anstalt von Kęl. Provinzial-Schulkollegium der Kandidat des höheren Lehramts, Nikolaus Kraemer, überwiesen.
Mit dem Beginn des Winterhalbjahres hat der Dircktor des Königlichen Provinzial- Schulkollegiums, Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat Dr. Paehler, das Dezernat über die Anstalt, das er eine lange Reihe von Jahren geführt hatte, wegen Ueberbürdung mit Amtsgeschäften niedergelegt. Das Lehrerkollegium sah den Herrn Oberregierungsrat mit Be- dauern aus den engen Beziehungen scheiden, in denen er so lange mit der Anstalt gestanden hatte, und der Direktor sprach ihm den wärmsten Dank des Kollegiums aus für das rege Interesse, das er allezeit an dem Gedeihen der Anstalt genommen, und für die reiche Förde- rung, die er dem Kollegium aus dem Schatze seiner Erfahrung habe angedeihen lassen. Das Dezernat über die Anstalt übernahm der neu in das Königl. Provinzial-Schulkollegium be- rufene Herr Provinzialschulrat Dr. Waßner.
Die Weihnachtsferien fielen in die Zeit vom 24. Dezember bis 6. Januar.
Dem Oberlehrer Gerlach wurde durch Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen usw. Angelegenheiten vom 20. Dezember 1909 der Charakter als Professor und durch Allerhöchste Kabinettsorder vom 31. Januar 1910 der Rang der Räte IV. Klasse verliehen.
Am 27. Januar beging die Anstalt unter sehr zahlreicher Beteiligung der Behörden, der Eltern unserer Schüler und sonstiger Freunde der Schule die Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers und Königs in herkömmlicher Weise mit Gesang, Dekla- mationen und Vorträgen des Schülerorchesters. Die Festrede übernahm für den plötzlich durch Krankheit verhinderten Oberlehrer Dr. Kling der Direktor, der über die Königin Luise und ihre Bedeutung für das preußische Volk sprach. Leider konnten die auf Befehl Sr. Majestät der Anstalt als Prämien überwiesenen Werke, Wislicenus, Deutschlands Seemacht, und Bohrd, deutsche Schiffahrt in Wort und Bild, bei der Feier nicht den Schülern über- reicht werden, da sie erst am folgenden Tag in den Besitz der Direktion gelangten. Sie sollen beim Schulschluß dem Untersekundaner des Gymnasiums Guckes und dem Unter- sekundaner der Realschule Hofmann verliehen werden.
Die schriftliche Reifeprüfung fand am 26., 28., 29. und 31. Januar statt. Es unterzogen sich derselben 19 Oberprimaner. Die mündliche Prufung wurde am 19. Februar unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrates Dr. Waßner und in Gegenwart des Herrn Bürgermeisters Palleske als Vertreters des Kuratoriums und am 21. Februar unter dem Vor- sitz des unterzeichneten Direktors abgehalten. 16 Oberprimanern wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt, darunter zweien unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.
Die Schlußprüfung an der Realschule, die am 10. MâÄrz unter dem Vorsitz des Direktors stattfand, bestanden 24 Schüler der Untersekunda.
Der Gesundheitszustand des Lehrerkollegiums ließ leider auch in diesem Schuljahr viel zu wünschen übrig. Während des Sommerhalbjahres mußte Prof. Dr. Lina, sowie den Oberlehrern Bellinger und Dr. Kling ein längerer Urlaub zur Herstellung ihrer Gesundheit bewilligt werden; die Vertretung übernahmen der Kandidat des höheren Lehramts Engels und für den katholischen Religionsunterricht die Kapläne Eufinger und Steinmetz. Diesen beiden Herren sage ich für die Bereitwilligkeit, womit sie den Unterricht übernahmen, im Namen der Anstalt verbindlichen Dank. Im Winterhalbjahr machte die Erkrankung der Vorschullehrer Linder und Vollmer, sowie der Oberlehrer Rüssel, Dr. Kling und Hunke, und zuletzt des Direktors mehrfache Vertretungen notwendig. Zur Vertretung des Vorschullehrers Vollmer bezw. Linder war der Anstalt von Königl. Provinzial-Schulkollegium mit Zustimmung der Königl. Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen in Wiesbaden der Schulamts- bewerber Wilhelm Müller aus Soden a. T. überwiesen. Auch ihm sei für seine der Anstalt geleisteten Dienste an dieser Stelle Dank gesagt.
Die im vorjährigen Jahresbericht an dieser Stelle ausgesprochene Besorgnis, das Pro- jekt des Neubaues einer Aula und des Umbaues der Turnhalle möge überhaupt nicht— einst- weilen wenigstens— zur Ausführung kommen, ist leider wohlbegründet gewesen. Obwohl die Notwendigkeit dieser Bauten schon vor 2 Jahren dargetan und von den städtischen Kollegien anerkannt worden ist, ist von der Ausführung der damals gefaßten Beschlüsse


