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Mit dem 1. Oktober wurde der bisher mit Versehung einer Oberlehrerstelle beauf- tragte Kandidat des höheren Schulamts Dr. Schnaus als Oberlehrer angestellt und an dem- selben Tage in Gegenwart des Lehrerkollegiums vom Direktor vereidigt. Er berichtet über seinen Lebenslauf folgendes:
Karl Schnaus, geb. 9. November 1878 zu Gersfeld, evangelischer Konfession, vorgebildet auf dem Gymnasium zu Hersfeld, studierte von Ostern 1890 ab neuere Philologie auf den Universi- täten zu Halle und Grenoble. Am 10 März 1902 wurde er in Halle auf Grund seiner Dissertation: Ueber das Verhältnis von David Garrick's»Catharine and Petruchio« zu Shakespeare's»The Taming of the Shrew« zum Doctor philosophiae promoviert. Daselbst bestand er am 27. Juni 1903 das Staatsexamen. Zur Ableistung des pädagogischen Seminarjahres wurde er am 1. Oktober 1903 dem Gymnasium zu Weilburg überwiesen. Von Ostern 1904 bis 1. Oktober 1905 war er mit der Verwaltung einer Oberlehrerstelle am Gymnasium nebst Realschule zu Höchst a. M. betraut. Gleich- zeitig legte er hier vom 1. Oktober 1904— 1905 sein pädagogisches Probejahr ab.
Die Herbstferien währten vom 1. bis 11. Oktober. Am 12. Oktober fand die Auf- nahmeprüfung statt. Am 13. Oktober begann der Unterricht. Es traten neu ein ins Gym-
nasium 2, in die Realschule 2 und in die Vorschule 4 Schüler.
Am 9. November verlor die Anstalt einen braven Schüler. Der Sextaner Kilp aus Münster a. T. wurde nach kurzem Leiden aus dem Leben abberufen, nachdem er noch am 8. November dem ÜUnterricht beigewohnt hatte. Der Direktor und der Klassenlehrer, sowie eine Anzahl seiner Mitschüler gaben ihm das letzte Geleite.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember bis zum 8. Januar einschließlich.
Am 27. Januar beging die Anstalt in herkömmlicher Weise den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs, wobei Oberlehrer Bellinger die Festrede über„die Vaterlandsliebe“ hielt.
Durch Patent von dem gleichen Tage wurde von dem Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten den Oberlehrern Bruch, Dr. Lohberg, Dr. Erx- leben und Dr. Suchier der Charakter als Professor beigelegt.
Am 27. Februar wurde der Tag der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares durch eine gemeinsame Schulfeier begangen; Oberlehrer Dr. Sieke hielt die Festrede.
Die schriftliche Reifeprüfung der Oberprimaner fand vom 8. bis zum 13. Februar statt; die mündliche wurde am 28. März unter dem Vorsitz des Herrn Ober- und Geh. Regierungsrates Dr. Paehler und in Gegenwart des Herrn Bürgermeisters Palleske als Vertreters des Kuratoriums, am 29. März unter dem Vorsitz des mit der Vertretung des Königlichen Kommissars beauftragten Direktors abgehalten; 13 Oberprimanern wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt, 4 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.
Die Schlußprüfung an der Realschule bestanden 10 Schüler der ersten Realschulklasse; sie fand am 30. März unter dem Vorsitz des zum Königlichen Kommissar ernannten Gymnasialdirektors statt.
Der Gesundheitszustand der Lehrer war recht günstig, so daß nur einige kürzere Beurlaubungen erforderlich waren. Von den Schülern, besonders der unteren Klassen und der Vorschule, war im Sommer und Herbst eine größere Anzahl durch Erkrankung an Masern am Schulbesuch verhindert.
Mit dem Schlusse des Schuljahres verläßt Oberlehrer Winderlich die Anstalt, um eine Oberlehrerstelle an der Oberrealschule zu Oldenburg zu übernehmen. Wenn Oberlehrer Winderlich auch nur 2 ½ Jahre hier tätig war, bedauert die Anstalt doch den Verlust dieses eifrigen und tüchtigen Lehrers. Insbesondere ist sie ihm auch zu Dank verpflichtet für die Mühe, womit er sich der Einrichtung der Mineraliensammlung unterzogen hat. Das Kollegium, das ihn nur ungern aus seiner Mitte scheiden sieht, wünscht ihm von Herzen eine fernere ge- segnete Tätigkeit.
(Abgeschlossen am 31. März.)
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