Jahrgang 
1882
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Beide Abiturienten: Philipp Pforr, 16 ½ Jahr alt, aus Hersfeld, Meier Rosenberg, 15 ¾ Jahr alt, aus Hersfeld, erhielten das Zeugnis der Reife mit dem Prädikatgut bestanden. Der Sedantag und der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurden in herkömmlicher Weise gefeiert; mit der letzteren Feier wurde die Entlassung der Abiturienten verbunden.

Die Sammlungen und Lehrmittel wurden den Bedürfnissen entsprechend erweitert. An Geschenken erhielt die Anstalt folgendes: Der Obertertianer S. Werschmidt schenkte: eine Feuerkröte(Bombinator igneus), einen Feuersalamander(Salamandra maculata), das Ei einer Ringelnatter. Sämtlich in Spiritus. Ausserdem den Schädel eines Fuchses und eines Hasen. Der Quintaner G. Sauer: 2 Exemplare vom Windenschwärmer(Sphinx convolvuli). Herr Fabrikant Fienemann: eine Ringelnatter(tropidonotus natrix), eine Kreuzotter(pelias berus) und eine Blindschleiche(anguis fragilis). Sämtlich in Spiritus. Der Untertertianer A. Rehn eine kleine Sammlung von Conchilien. Herr Dr. Weingärtner: Beschreibung der Kupfer-Münzen Westfalens nebst historischen Nachrichten von J. Weingärtner, Kreisgerichts- Direktor z. D. Die Gold- und Silbermünzen des Bistums Paderborn nebst historischen Nach- richten von demselben. Für alle diese Gaben sage ich hierdurch im Namen der Schule den Gebern besten Dank.

Mit dem Schlusse dieses Schuljahres hört die höhere Bürgerschule auf, als eine selb- ständige Anstalt zu bestehen, doch dauert sie als ein Glied an dem Organismus, der in Zu- kunft das Gymnasium und die höhere Bürgerschule umfassenden Königlichen höheren Lehran- stalt im wesentlichen unverändert fort. Sexta und Quinta werden mit den entsprechenden Klassen des Gymnasiums vereinigt, Quarta, Tertia und Sekunda werden besondere Klassen bilden, in denen der Unterricht nach dem Normallehrplan für höhere Bürgerschulen(d. h. Realschulen I. Ordnung ohne Prima) erteilt wird. Das Lehrerkollegium der beiden Anstalten bildet in Zukunft ein Ganzes, dessen einzelne Glieder je nach dem Bedürfnis der Gymnasial- und der Realklassen thätig sein werden. Eine Hauptschwierigkeit, mit der die höhere Bürgerschule bisher zu kämpfen hatte, dass nämlich die Lehrer so häufig wechselten, ist damit für immer beseitigt.

Wird somit durch die Vereinigung der höhern Bürgerschule mit dem Königlichen Gymnasium nicht nur den Bürgern Hersfelds und der Umgegend die Gelegenheit, ihren Kin- dern eine Vorbildung für die Handels- und gewerblichen Berufszweige zu geben, nach wie vor in gleichem Mase geboten, sondern auch eine gewisse Bürgschaft gegeben, dass es den Realklassen nie mehr an geeigneten Lehrkräften fehlen werde, so ist auch in materieller Be- ziehung die neue Einrichtung für die Stadt von nicht unerheblichem Vorteil. Während die Stadt von dem Zeitpunkt an, wo die Anstalt als vollberechtigte höhere Bürgerschule aner- kannt wurde, bis jetzt durchschnittlich 8333 Mk. und in den beiden letzten Jahren*) 9758 Mk. jährlichen Zuschuss zu zahlen hatte, wird sie jetzt jährlich nur 4000 Mk. zu zahlen haben.

Sollte sich im Laufe der Zeit herausstellen, dass das Bedürfnis nach einer rea-

*) Das laufende Schuljahr ist ausser Acht gelassen, da es noch nicht abgeschlossen ist.