der zweiten Hälfte seines Probejahres in Marburg zugleich einen Turnkursus zu absol- vieren.
Für das Winterhalbjahr war der Anstalt der französische Lehramtskandidat Herr Julien Digoit zur Veranstaltung und Leitung französischer Konversationsstunden überwiesen. Es beteiligten sich an diesen freiwilligen Ubungen, in Gruppen zu 5— 8 Schülern eingeteilt, insgesamt 65 Primaner, Sekundaner und Obertertianer.
Zu einem Turnkursus in Berlin waren Herr Oberlehrer Kühnemuth sowie der an der Anstalt im Nebenamte tätige Volksschullehrer Herr Heinemann vom 11. Mai bis 3. Juni beurlaubt; zu militärischen Dienstleistungen die Herren Oberlehrer Dr. Preime vom 1. April bis 25. Mai und Professor Dehnhardt vom 11.— 25. Juni; jener wurde von Ostern an durch Herrn Kandidaten Otto Gottschalk vertreten, während die Ver- tretung des zweiten von dem Lehrerkollegium übernommen wurde.
Im ganzen vierten Quartale war Herr Professor Winchenbach dem Unterrichte durch Krankheit entzogen. Die Vertretung übernahmen die Kollegen.
Vom 15. Juni bis 1 Juli war der Direktor beurlaubt, um auf Befehl Sr. Majestät an einer Nordlandfahrt des Dampfers Meteor teilzunehmen.
Von den im Spätsommer, Herbst und Winter in unserer Stadt fast epidemisch ver- breiteten Krankheiten— Scharlach und Diphtherie— wurden auch 5 Schüler unserer Anstalt ergriffen, doch war der Krankheitsverlauf glücklicherweise bei allen ein günstiger; abgesehen hiervon war der Gesundheitszustand unter den Schülern ein durchaus normaler. Dagegen mußten allerdings in einer ganzen Reihe von Fällen Schüler wegen Erkrankung von Haus- genossen an einer der genannten Krankheiten längere oder kürzere Zeit vom Unterrichte ferngehalten werden.
Unter Führung ihrer Ordinarien bezw. anderer Lehrer unternahmen die Schüler am 23. Juni eine eintägige Turnfahrt an verschiedene Punkte der Umgebung.
Am 21. April wurde in den Stunden des evangelischen Religionsunterrichtes des Ge- burtstages von Johann Hinrich Wichern und seines Wirkens gedacht.
Die Erinnerungstage des 15. Juni und 18. Oktober, des 9. und 22. März wurden in gewohnter Weise begangen.
Am 3. Juni wurde wegen der Landtagswall der Unterricht von 9 Uhr vormittags an
ausgesetzt. Von den Sommerferien an waren die Turnhalle bis zum Monat Januar, der Schulsaal
bis zum Ende des Schuljahres wegen des Erweiterungsbaus unserer Benutzug entzogen. Da- durch erlitt in der angegebenen Zeit einerseits der Turnunterricht erhebliche Störungen, in- dem er nur bei günstigem Wetter im Freien stattfinden konnte, anderseits mußte die wöchent- liche Schulandacht ausfallen ebenso wie die herkömmliche Schulfeier am Sedantage. Ein geplantes Kriegsspiel mußte wegen der ungünstigen Witterung verschoben werden und fand dann am 15. September auf dem Tageberge statt. Wie im Vorjahre waren beiden Parteien kriegsmäßige Aufgaben gestellt, denen sich die Schüler mit großem Eifer und im ganzen gutem Geschick entledigten.
Die im Vorjahre eingeführten Freiübungen in den Pausen wurden auch in diesem Jahre, so lange es die Witterung erlaubte, fortgesetzt.


