Jahrgang 
1906
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Da der Lehrer am Gymnasium Berge zur Wiederherstellung seiner Gesundheit auch noch für das ganze Winterhalbjahr hatte beurlaubt werden müssen, so erlitt die Unter- richtsverteilung wieder manche Veränderungen.

Des Reformationsfestes wurde wie gewöhnlich bei der gemeinsamen Morgenandacht in dem Schulsaale vom Oberlehrer Kühnemuth gedacht.

Weihnachtsferien vom 23. Dezember bis zum 9. Januar 1906.

Neue Störungen erlitt der Unterricht einerseits dadurch, daß Oberlehrer Möhl durch Ausbruch des Scharlachs in seiner Familie fast drei Wochen von der Schule ferngehalten wurde, andrerseits aber durch die plötzliche Erkrankung des Professors Stern am 12. Januar, die ihm bis zum Schlusse des Schuljahres die Wiederaufnahme des Unterrichtes un- möglich machte. Durch Zusammenlegung einzelner Klassenabteilungen sowie durch die dankens- werte Aushülfe des Pfarrers Arend wurde die Durchführung der Lehraufgaben ermöglicht.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde wie üblich durch Zapfenstreich und Weckruf, sodann aber im Anschlusse an den Gottesdienst durch einen Festakt im Schulsaale begangen, bei dem Oberlehrer Dr. Preime in seiner Festrede die Jugend Kaiser Wilhelms II. schilderte. Auch dieses Mal hatten wir die Freude, eine große Zahl von Gästen an der Feier teilnehmen zu sehen. Am Abende fand wie üblich in der schön geschmückten Turnhalle eine Feier für die obersten Klassen der Schule statt, an der sich außer den Lehrern auch manche Freunde der Anstalt beteiligten.

Unter demselben Tage wurden die Oberlehrer Schaaff, Wende, Wassermeier und Stern zu Professoren ernannt..

Der Erinnerungstage des 15. Juni, 18. Oktober, 9. und 22. März wurde wie sonst in den einzelnen Klassen gedacht.

Am 27. Februar fand zur Feier der Silberhochzeit Ihrer Majestäten unter Aussetzung des Unterrichtes ein Festakt statt, der sich im ganzen ähnlich gestaltete wie der am 27. Januar, nur daß wir, um auch den jüngeren Schülern die Teilnahme zu ermöglichen, zu unserem Bedauern auf die Anwesenheit von Gästen verzichten mußten. Die Festrede hielt Oberlehrer Kropp über das Familienleben des Kaiserlichen Paares, sein Wirken für Volk und Vaterland und die Entwicklung Deutschlands während der letzten 25 Jahre.

Die schriftliche Reifeprüfung des Ostertermines fand vom. 12. bis 16. Februar, die mündliche unter Vorsitz des Königlichen Provinzial-Schulrates Herrn Dr. Kaiser am 2. und 3. März, die Entlassung der für reif erklärten Schüler am 7. März statt.

Die schriftliche Schlußprüfung für Schüler mit Ersatzunterricht wurde am 7., 8. und 10., die mündliche am 12. März abgehalten.

Vom 1. März ab wurde Oberlehrer Reime, vom 14. März ab Oberlehrer Dr. Preime durch Einberufung zu einer militärischen Dienstleistung dem Unterrichte bis zum Schlusse des Schuljahres entzogen. Die ordnungsmäßige Weiterführung ihres Unterrichtes wurde durch Verteilung desselben unter die übrigen Lehrer bewirkt.

Der Gesundheitszustand unter den Schülern darf, trotzdem in der Stadt vielfach ansteckende Krankheiten, besonders Scharlach und Masern, auftraten und auch einzelne unserer Schüler ergriffen, doch im ganzen als normal bezeichnet werden; über Erkrankungen der Lehrer ist bereits im Vorstehenden berichtet.