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beladenen Wagen überfahren wurde. Am folgenden Tage erlag er seinen schweren Verletzungen. Seine Klassengenossen trugen ihren allgemein beliebten Kameraden in seiner Heimat Melsungen zu Grabe und der Unterzeichnete, mehrere Lehrer und eine Anzahl Mitschüler begleiteten ihn zur letzten Ruhestätte. Auch der Herr Minister und das Königliche Provinzial-Schulkollegium ließen dem tiefgebeugten Vater, der seinen einzigen Sohn, die Hoffnung und den Stolz seiner Familie, in so schrecklicher Weise verloren hatte, herzliche Teilnahme aussprechen.
Obwohl den verunglückten Schüler nach den Aussagen der bei dem Unfall An- wesenden ebensowenig wie den Führer des Wagens eine Schuld fraf, so benutzte doch der Unterzeichnete den traurigen Anlaß, um die Schüler zu größter Vorsicht beim Rad- fahren ernstlich zu ermahnen. Aber kaum waren 14 Tage verflossen, als wir schon wieder ein Opfer des Radfahrens zu beklagen hatten. Der Oberprimaner August Gott- wald aus Saarbrücken, der nur wenige Wochen unsrer Anstalt angehört und seinen Lehrern den Eindruck eines sehr besonnenen und ernst strebenden jungen Mannes ge- macht hatte, fand am 30. Mai(am Pfingstmontag) beim Radfahren am Inselsberge einen jähen Tod. Seine Leiche wurde von dem tiefbetrübten Vater nach Saarbrücken gebracht und wir konnten nur durch Beileidsschreiben und Kranzspenden den Angehörigen des so plötzlich von hier abberufenen Jünglings unsere sowie des Herrn Ministers und des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums herzliche Teilnahme aussprechen.
Die beiden ergreifenden Unglücksfälle veranlaßten den unterzeichneten Direktor, den Schülern gewisse Beschränkungen in der Ausübung des Radfahrsportes aufzuerlegen. Die erlassenen Vorschriften sind unter VII abgedruckt.
Am 27. Mai wurde von den Herren Geheimen Regierungsräten Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer und Baurat Waldhausen eine genaue Besichtigung der Gymnasial- gebäude vorgenommen.
Am 15. Juni wurde in herkömmlicher Weise des Heimgangs Kaiser Friedrichs III. gedacht. Die Ansprache hielt der Wissenschaftliche Hülfslehrer Paul.
Die Sommerferien dauerten vom 3. Juli bis zum 3. August einschließlich.
Zur Feier des Sedantages führte die Gymnasiastenkapelle am l. September den Zapfenstreich aus und leitete den Festtag durch einen Weckruf ein. Bei der unter großer Beteiligung der Bürgerschaft in der Aula abgehaltenen Feier sprach der Ober- primaner Schnaus über die Schlacht bei Beaumont als ein Vorspiel zur Schlacht bei Sedan. Die Feier erhielt eine besondere Weihe durch die Enthüllung einer Kolossalbüste des Fürsten Bismarck, zu dessen Gedächtnis der Unterzeichnete eine Ansprache hielt. — Am Nachmittage machten alle Schüler in Begleitung ihrer Lehrer einen gemeinschaft- lichen Spaziergang und am Abend war den Schülern der drei oberen Klassen ein Fest- trunk in der schön geschmückten TPurnhalle Fostattst, an dem sich die Mehrzahl der Lehrer beteiligte.
Am 16. September fand unter Vorsitz des Unterzeichneten die mündliche Reife- prüfung statt.
Das Winterhalbjahr begann am 10. Oktober mit der Aufnahmeprüfung.
Am 15. Oktober trat Kaplan Löbbel, der seit Mai des vorigen Jahres mit der


