III. Ohronik.
Das Schuljahr begann am 29. April. Dem Beginn des Unterrichts ging eine gemein- schäftliche Morgenandacht und eine Ansprache des Direktors voraus, in welcher derselbe die wichtigsten Bestimmungen der Schulgesetze erläuterte und zu gewissenhaftester Befolgung der- selben aufforderte. Im Anschluß daran wurden die neu aufgenommenen Schüler verpflichtet.
Gleich zu Anfang des Schuljahrs verließ uns der Kandidat des höheren Schulamts Richard Mascher, um als Hülffslehrer an das Königliche Realgymnasium zu Wiesbaden überzugehen. Kandidat Mascher hat nach Zurücklegung des Probejahres noch 3 ½ Jahre lang als unbesoldeter Hülfslehrer an unserer Anstalt gewirkt und während dieser Zeit derselben vielfache und höchst dankenswerte Dienste geleistet. Mit größter Bereitwilligkeit trat er stets für erkrankte Kollegen ein und übernahm öfters Monate lang für sie die volle Stundenzahl, sodaß zu Zeiten nur durch seine uneigennützige Mitwirkung die Durchführung der bezüglichen Pensa möglich war.
Wenige Tage nach Beginn des Schuljahres trat der Kandidat des höheren Schulamts Adolf Gieße unmittelbar nach zurückgelegtem Probejahr aus, um einem Rufe als Hülfs- lehrer an der Städtischen Realschule in Homburg vor der Höhe zu folgen.
Beiden Herren folgen unsere besten Wünsche.
Am 31. Mai fiel wegen großer Hitze der Nachmittagsunterricht aus.
Die Sommerferien dauerten von Sonnabend den 6. Juli ab 4 Wochen.
Am 20. Aug. machten 130 Schüler der oberen und mittleren Klassen in Begleitung des Direktors und 11 anderer Lehrer eine Turnfahrt nach Ruhla und über Wilhelmsthal, die Hohe Sonne, die Wartburg nach Eisenach. Wenn dieselbe auch nicht gerade vom Wetter begünstigt war, so verlief sie doch zur vollen Zufriedenheit aller Teilnehmer.
Am Vorabend des Sedantags führte die Gymnasiastenkapelle einen wohlgelungenen Zapfenstreich aus, am Festtage selbst ließ dieselbe, nachdem sie die Feier des Tages durch einen Choral eröffnet hatte, die munteren Töne des Weckrufs durch die Stadt ertönen. Die Feier in der Aula, bei welcher der Oberprimaner Bruno Berlit die Preignisse des 6. August bei Saarbrücken schilderte, fand in hergebrachter Weise unter sehr großer Beteiligung des Publikums statt. Am Nachmittag zog das ganze Gymnasium unter klingendem Spiel mit fliegenden Fahnen nach der etwa 1 ½ Stunden entfernten Wippershainer Höhe, wo sich bald ein lustiges Treiben der Jugend entwickelte. Die lebhafte Teilnahme der Angehörigen unserer Schüler und vieler anderer Freunde der Anstalt gestaltete die Schulfeier zu einem Volksfest. Nach der um 8 ½ Uhr erfolgten Heimkehr versammelten sich die Schüler der 3 oberen Klassen noch mit einer größeren Anzahl der Lehrer zu ciner Feier im Bolenderschen Saale. Nach einer festlichen Ansprache des Direktors, in welcher derselbe die heranwachsenden Jünglinge auf den Ernst der Zeit aufmerksam machte und sie aufforderte, in das Hoch auf den Kaiser das Gelübde treuster Pflichterfüllung gegen Kaiser und Reich zu legen, folgten in buntem Wechsel patriotische Lieder, musikalische und dramatische Vorträge der Schüler. Es gereicht


