Jahrgang 
1887
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ebenso schnell erworben wird, wie in den Gymnasialklassen. Ein normaler, ſleißiger Schüler braucht vom Eintritt in die Untertertia bis zur Erwerbung jenes Zeugnisses auf der Realabteilung, wie auf der Gymnasialabteilung, noch drei Jahre. Während aber in der Gym- nasialabteilung der Schwerpunkt des Unterrichts während dieser 3 Jahre auf das Griechische und das Lateinische fällt, erwerben die Realschüler ihre geistige Bildung vorzugsweise an solchen Unterrichtsgegenständen, die, wie das Französische und Englische oder wie die Arith- metik, die Geometrie, das Zeichnen, ihnen auch im praktischen Leben nützlich sein können. Wer daher nach der Erwerbung des genannten Militärzeugnisses in das praktische Leben über- treten will, der erwirbt sich dieses Zeugnis viel besser auf den Realklassen als auf dem Gym- nasium. Deshalb erlaube ich mir, an die Angehörigen der Schüler, welche jetzt die Reife für Tertia erreicht haben, die dringende Aufforderung zu richten, sie wollen ihre Kinder und Pflegebefohlenen, wenn bereits feststeht, daß sie nicht studieren, bezw. keine Laufbahn ein- schlagen sollen, für welche die Gymnasialreifeprüfung erforderlich ist, nicht in die Gym- nasialtertia, sondern in die Realprogymnasialtertia eintreten lassen.

Um meinem Rate mehr Nachdruck zu geben, erlaube ich mir, hier eine Außerung anzufügen, welche Se. Exzellenz, Herr Minister von Gossler am 16. April 1885 im preußischen Abgeordnetenhause gethan hat. Dieselbe lautet:Es ist m. Erachtens nicht allein für die hohe Unterrichtsverwaltung, sondern darüber hinaus für unser gesamtes öffentliches Leben eine der nachteiligsten Thatsachen, daß aus der Untersekunda des Gymnasiums eine Masse junger Leute abgehen mit einer Art von Bildung, die kaum als Halbbildung zu bezeichnen ist. Die jungen Leute haben alle Kategorien von Bildungsstoffen angeschnitten, aber absolut nichts Abgeschlossenes, nichts in Händen, was ihnen für das praktische Leben nützlich sein, kaum etwas, was sie zu erfolgreicher Fortarbeit befähigen könnte. Ein junger Mann dagegen, der ein 7jähriges Realprogymnasium mit Erfolg zurückgelegt hat, hat in der That an Kenntnissen und Fertigkeiten ein Werkzeug, ein Material erworben, mit dem er im Leben vorwärts streben und arbeiten kann.

Das neue Schuljahr beginnt Montag den 18. April 8 Uhr morgens mit der Aufnahme- prüfung. Anmeldungen sind mündlich oder schriftlich bis spätestens Sonntag den 17. April an den Unterzeichneten zu richten und von folgenden Zeugnissen zu begleiten: 1. Impfschein (sowohl über die erste Impfung, als auch bei denen, welche das 12. Lebensjahr bereits über- schritten haben, über die erneute Impfung); 2. Geburtsschein; 3. Abgangszeugnis von den früher besuchten Schulen, bezw. Zeugnisse früherer Privatlehrer. Zur Aufnahme in die Sexta ist das Alter von 9 10 Jahren das geeignetste. Knaben unter 9 Jahren können nur ausnahmsweise aufgenommen werden.

An Vorkenntnissen wird verlangt:

1. Geläufiges Lesen deutscher und lateinischer Druckschrift.

2. Fühigkeit, mit lateinischen und deutschen Buchstaben leserlich und reinlich zu schreiben. 3. Fähigkeit, Diktiertes ohne grobe orthographische Fehler nachzuschreiben.

4. Sicherheit in den vier Grundrechnungsarten in ganzen Zahlen.