Jahrgang 
1880
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Vom 16. bis zum 26. Juni waren Prorektor Prof. Meyer und Oberlehrer Heermann zu den Sitzungen des Schwurgerichts in Rotenburg einberufen.

Am 1. Juli wurde von den Schülern aller Klassen in Begleitung fast sämtlicher Lehrer ein vom schönsten Wetter begünstigter Turngang nach dem Landeckerberg gemacht.

Die Sommerferien begannen am 5. Juli und dauerten vier Wochen.

Für den Zeitraum zwischen den Sommer- und Herbstferien musste der zu den mili- tärischen Übungen einberufene Gymnasiallehrer Hafner vertreten werden.

Die Feier des Sedanfestes fand in herkömmlicher Weise statt; dem festlichen Aktus des Gymnasiums, bei welchem der Oberprimaner Heermann in gebundener Rede über das neue deutsche Reich sprach, und von Schülern aller Klassen Gedichte vorgetragen wurden, wohnte ein zahlreiches Publikum bei.

Am 20. September wurde das Sommersemester geschlossen. Das Wintersemester begann am 6. Oktober. Mit Beginn desselben trat der Schulamtskandidat Kühne sein Probejahr an der Anstalt an.

zu Beginn des Wintersemesters erhielt Prorektor Prof. Meyer 5 Wochen Urlaub zur Herstellung seiner geschwächten Gesundheit.

Am 26. Oktober verlor die Schule durch den Tod einen sehr lieben und braven, zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Schüler, den Obersekundaner Eduard Bode, Sohn des Pfarrers Bode zu Buchenau. Er erlag einem typhusartigen Nervenfieber. Schüler seiner Klasse guben ihm in Begleitung eines Lehrers in seinem Heimatsorte das letzte Geleite.

Wie im vorigen Jahre die Schule am 24. Januar eine musikalisch-deklamatorische offentliche Abendunterhaltung veranstaltete, sotrat dieselbe auch in diesem Jahre an demselben Tage mit dem Versuch einer künstlerischen Leistung vor das Publikum. Die Abiturienten hatten unter Leitung des Unterzeichneten und des Oberlehrers Berlit die Antigone des Sophokles einstudirt, der Gymnasialelementarlehrer Berge mit unermüdlichem Eifer die von F. Mendels- sohm componirten Chöre eingeübt. Die Schüler hatten soviel Fleisz, Eifer und Verständniss bewiesen, dass wir, ermutigt durch das sachverständige Urteil bei einer Probe zugezogener auswärtiger Künstler, eine öffentliche Aufführung glaubten wagen zu dürfen. Der Erfolg über- traf die Erwartungen. Auf einer im Saale des Vereins aufgeschlagenen Bühne, zu der Schüler die Dekorationen im antiken Geschmack gemalt hatten, wur de die Antigone vor einem sehr zahlreichen Publikum aufgeführt. Die Macht des herrlichen Stückes erwies sich so gewaltig, dass es selbst in der Aufführung durch junge Leute, bei denen Begeisterung und Liebe zur Sache die Stelle künstlerischer Durchbildung ersetzen musste, auf alle Anwesenden eine wahr- haft ergreifende Wirkung ausübte. Denselben Erfolg hatte eine am 26. Januar im Allgemeinen Bildungsverein und ebenso eine zur Vorfeier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers am 19. März wiederholte Aufführung.

Das Kapital der Münscher-Stiftung beträgt jetzt 2799,35 Mark. Das Stipendium wurde dem Ober-Primaner Georg Eckhardt und den Ober-Sekundanern Th. von Seidel und Aug.

Siebert mit je 45 Mark verliehen.