IWV. Zur Geſchichte der Knſtalt.
1. Am letzten Tage der Sommerferien— am 1. Kuguſt— wurde die Mobilmachung befohlen. hell lohten da die Flammen der Begeiſterung auf, jung und alt wetteiferte in dem Beſtreben, ſeine Kräfte in den Dienſt des freventlich angegriffenen Daterlands zu ſtellen.„Mit Gott für Kaiſer und Reich“ hieß die allgemeine Loſung. Die Oberklaſſen drängten nach Reife⸗ und Notprüfungen, um mög⸗ lichſt bald das Schwert in die hand nehmen zu können, die übrigen halfen bei den Erntearbeiten; drei unſerer Lehrer, die herren Profeſſor Rupp, Oberlehrer Schuchmann und Reallehrer Schmitt rückten ſofort bei ihren Truppenteilen ein; alsbald wurde auch der den Pedellendienſt ver⸗ ſehende Militäranwärter Lömmersdorf einberufen, und es dauerte nicht lange, ſo trug auch der evangeliſche Religionslehrer, herr pfarraſſiſtent Dr. Bingel, als Kriegsfreiwilliger die Waffe. NRie⸗ mand wollte ruhen und raſten, und dies erſt recht nicht, als die Schulen durch Verfügung des ſtell⸗ vertretenden Generalkommandos noch vor ihrem Wiederbeginn von neuem geſchloſſen wurden. Schon am 5. AKuguſt fand die Rotreifeprüfung ſtatt; ihr folgten weitere Notprüfungen zum Rachweis der Prima⸗ und Oberſekundareife, und die ganze Oberprima nebſt neun Unterprimanern und drei Oberſekundanern rückten aus, um, ſchon als Fahnenjunker angenommen, ſofort beim Heere einzutreten oder ſich ein Regiment zu ſuchen und ins Feld zu ziehen. Ihnen folgte ſpäter noch ein Unterſekundaner.
Bald war die Ernte geborgen, begünſtigt durch herrliches Wetter, bald auch waren die Eiſen⸗ bahnverbindungen einigermaßen wieder hergeſtellt, und als dann ſofort der Unterrichtsbetrieb wieder auf⸗ genommen wurde, da war die la verſchwunden, die Ib und IIa mehr oder weniger gelichtet, die weg⸗ gezogene Jugend ſtand ſchon in Waffen oder war in der Kusbildung für den Etappendienſt als Kranken⸗ pfleger vom Roten Kreuz begriffen. Mit nur 2 Kusnahmen— der eine Kbiturient iſt infolge eines ſteifen Beins dauernd dienſtuntauglich, der andere wurde am Verbleiben bei ſeinem Truppenteil durch die übergroße Anzahl ſchon früher vorhandener Meldungen gehindert— gelang es allen, ihr Ziel zu er⸗ reichen. Wie dann um die Jahreswende auf Grund einer miniſteriellen Verfügung der Ruf zum Wieder⸗ beſuch der Schule und ordnungsmäßigen Kblegung der Reifeprüfung erging, brauchten ſich dieſer Prü⸗ fung nur jene beiden zu unterziehen, dazu noch eine frühere Schülerin, die als Mädchen nach den vor⸗ liegenden Beſtimmungen von der Prüfung nicht befreit werden konnte. Sie wurde vom Chefarzt des Militärlazaretts, bei dem ſie als Krankenpflegerin vom roten Kreuz ſchon lange vollauf beſchäftigt war, jetzt zur Ablegung der Reifeprüfung für einige Tage beurlaubt. Allen übrigen Oberprimanern zzinde das Reifezeugnis ſchon auf Grund der von ihnen beſtandenen Notreifeprüfung ausgehändigt werden.
Die uns verbliebenen und hier wohnhaften Schüler halfen kräftig mit bei der Verpflegungsſta⸗ tion; ſoweit ſie der freiwilligen Sanitätskolonne angehören, leiſteten ſie außerdem bei der Verbringung der Verwundeten gute Dienſte. Oft auch mußten ſie Nachtwache halten u. a.
Anerkennung verdient nicht minder das Verhalten unſerer auswärtigen Schüler, die nach Wieder⸗ beginn der Schule am 14. Auguſt infolge des beſchränkten Zugverkehrs wochenlang morgens ſchon um 5 Uhr oder kurz nach 5 Uhr mit der Bahn von hauſe abfahren und hier 548 Uhr eintreffen mußten, um rechtzeitig in der Schule ſein zu können, und erſt um 3 Uhr die Moglichkeit hatten, wieder zurückzufahren. Es blieb aber niemand zurück, ſondern friſch und wohlgemut trug jeder die Unbequem⸗ lichkeit, eingedenk des Ernſtes der Zeit, die von jedem treueſte pflichterfüllung auch in den kleinſten Dingen gebieteriſch fordert. Jung Deutſchland voran!
Der Krieg auch war es, der unſerer Anſtalt einen außerordentlich ſchmerzlichen Verluſt brachte. herr Oberlehrer Schuchmann ſtarb als Leutnant d. R. den Tod fürs Daterland. Am 22. Kuguſt fiel er auf den belgiſchen Schlachtfeldern(bei Petitvoir, etwa 4 Ulm. von Reufchatau). Seine Schüler be⸗ trauern in ihm einen warmherzigen Freund und ausgezeichneten Lehrer, mit ihnen ſeine Amtsgenoſſen einen aufrechten Charakter und treuen Mitarbeiter, der mit unermüdlichem Fleiße den pflichten ſeines Berufes nachzukommen ſtrebte. Eine Hauptſtütze war er für unſer Pfadfinderkorps Jung⸗heppenheim, er half mit bei ſeiner Gründung und widmete ihm ſtets einen großen CTeil ſeiner freien Zeit. Sein Andenken


