Jahrgang 
1901
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VII. Zur Geschichte der Anstalt.

1. Personalangelegenheiten.

1. Mit Schluss des vorigen Schuljahres verliess uns der unterdessen(durch Verfügung Grossh. Ministeriums vom 12. April 1900) zum Lehramtsassessor ernannte Kollege Franz, um seiner Dienstpflicht als Einjährig-Freiwilliger zu genügen. An seine Stelle wurde zunächst der Lehramtsaccessist Pabst(Min. Verf. v. 17. April 1900) und dann mit Wirkung vom 1. Oktober 1900 ab der Lehramtsassessor Rupp berufen(Min.-Verf. v. 30. August 1900). Mit Wirkung vom gleichen Tage ab wurde dem Lehramtsaccessisten Pabst die Verwaltung einer Oberlehrer- stelle an der höheren Bürgerschule zu Ober-Ingelheim zugewiesen(Min.-Verf. v. 5. September 1900).

2. Während der allgemeinen Influenzaepidemie im März vorigen Jahres wurde auch Kollege Braun von dieser Krankheit ergriffen. Schon längere Zeit leidend, erlag er derselben am 22. April und wurde, geleitet von Lehrern und Schülern, am 24. April zur Ruhe gebettet. Unsere Jugend verlor in ihm einen wohlwollenden und treuen Lehrer, der mit grosser Energie bis zuletzt seiner Pflicht nachzukommen suchte, wir alle trauern um den Dahingeschiedenen als einen tüchtigen Mitarbeiter und zuverlässigen Berater.

Mit der Vertretung des erkrankten Kollegen wurde der Lehramtsaccessist Börstel be- auftragt(Min.-Verf. v. 17. April 1900). Derselbe wurde auch noch nach dem tödlichen Ver- laufe jener Krankheit in seiner Thätigkeit belassen, bis die erledigte Stelle durch Allerhöchstes Dekret vom 24. September 1900 dem Oberlehrer Hoffmann*) übertragen wurde. Herr Börstel wirkte an unserer Anstalt noch einige Zeit als Volontär und übernahm dann vom 11. November ab die Verwaltung einer Oberlehrerstlelle an dem Realgymnasium zu Mainz(Min Verf. v. 8. November 1900).

3. Einen längeren Urlaub zur Wiederherstellung seiner Gesundheit erhielt vor Weih- nacht der Oberlehrer Prof. Dr. Reutzel, seine Vertretung übernahm der Lehramtsaccessist Hohenstein(Min.-Verf. v. 24. Oktober 1900).

4. Auf Allerhöchsten Wunsch wurde Reallehrer Holzamer mit der Leitung der Festspiele während der Ausstellung der Künstlerkolonie in Darmstadt betraut und vom 1. März bis 1. Oktober zu diesem Zwecke beurlaubt(Min.-Verf. v. 23. Februar 1901). Wir gratulieren dem durch seine schriftstelleriche Thätigkeit bereits in weiteren Kreisen bekannten Kollegen zu diesem ausgezeichneten Auftrage, der ihn zur Mitarbeit an einem Werke beruft, durch das unser jugendlicher, feinsinniger Fürst die Augen der ganzen kunstliebenden Welt auf sich lenkt.

5. Am 5. Oktober beehrte Herr Geheimer Oberschulrat Nodnagel die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte in mehreren Klassen dem ÜUnterrichte bei.

2. Schulfeierlichkeiten.

Den Allerhöchsten Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheiten des Grossherzogs und der Grossherzogin, sowie den Seiner Majestät des Kaisers begingen wir in üblicher Weise durch Festakte, bei denen bezw. die Herren Reallehrer Hornef und Lehramtsassessor Rupp die Festreden hielten.

*²) Karl Friedrich Hoffmann, geb. zu Altenburg bei Alsfeld am 15. Juni 1870, besuchte von 1877 1886 die Grossh Realschule zu Alsfeld, von da ab das Grossh. Realgymnasium zu Giessen, welches er O. 1888 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Hierauf widmete er sich an der Universität Giessen dem Studium der Naturwissenschaften und bestand im Mai 1893 die Staatsprüfung für das höhere Lehramt. Von Herbst 18903 bis Herbst 1894 absolvierte er das erste Accessjahr am Gym- nasium und dem pädagogischen Seminar zu Giessen, alsdann wirkte er bis Mitte Juni 1895 an dem Realgymnasium zu Darmstadt als Volontär, bis Mitte Juli 1895 an der höheren Bürgerschule zu Reichelsheim(Wetterau) als Vertreter des Diri- genten, bis Ostern 1896 an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms ebenfalls in Vertretung, bis 1. Oktober 1896 an der Vorschule des Gymnasiums zu Mainz, bis 1. Oktober 1900 an der Realschule zu Alsfeld. Am 12. November 1895 wurde er zum Lehramtsassessor und am 23. April 1900 durch Allerhöchstes Dekret zum Oberlehrer ernannt. Veröffentlicht hat er eine Abhandlung überDas Heimatsrelief im Unterrichte(Lehrproben 46).