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Schloß. Dringend geboten erscheint der seit langem beabsichtigte lEinbau von neuen, den heutigen Anforderungen entsprechenden physikalischen Unterrichtsräumen und einem neuen Singsaal in den sog.„Wintersaal“ des Schlosses.— Dem Gymnasium gegenüber liegt ein Turnplatz von 76 m Länge und 56 m Breite und die Turnhalle von 20 m Länge und 11 Breite, die zur Anstalt gehören und von ihr uneingeschränkt benutzt werden. Die Gymnasialturnhalle wird, da die städtische Volksschule keine eigene Turnhalle besitzt, mit behördlicher Genehmigung wiederruflich auch von den oberen Klassen der hiesigen Volksschule benutzt.
7. Chronik der Anstalt.
Nachdem am 13. April 1926 im ganzen 50 Schüler neu aufgenommen waren, wurde das Schuljahr mit einer Gesamtschülerzahl von 279 eröffnet(258 kath., 20. evang., 1 isr.). Im Bischöflichen Konvikt wohnten 109, im Franziskanerstudienheim 26, bei ihren Eltern auswärts(„Lauf- und Fahrschüler“) 103, bei ihren Eltern in
der Stadt 33, in hiesigen Bürgerfamilien 8 Schüler.
6. 5. 1926: Die seit Jahren behandelte Frage des Umbaus des Gymnasiums(Einbau von neuen, den heutigen Anforderungen entsprechenden physikalischen Unterrichts- räumen und einem Singsaal in dem sog.„Wintersaal“ des Südflügels des Schlosses) wurde durch 2 Vertreter des Finanzministeriums, einen Vertreter des Ministeriums für W K V, einen Vertreter des P. S. K. zu Kassel, den Hochbaudezernenten der Re- gierung zu Wiesbaden, einen Vertreter des Hochbauamtes zu Diez und den Bezirks- konservator an Ort und Stelle geprüft. Feste Beschlüsse wurden dabei noch nicht gefaßt.
20. 5. 26: In einer Gesamtkonferung des Lehrkörpers widmete der Direktor dem Herrn Konviktsregens Aloys Eckert, der zum I. Juni zum Pfarrer der St. Bernardus- Pfarrei zu Frankfurt M. ernannt ist, ein herzliches Abschiedswort und betonte, daß das Gymnasium dem scheidenden Herrn Regens zu Dank verpflichtet sei 1) ob der vor- züglichen Leitung des Konviktes und der guten Erziehuug der dortigen Schüler, die mittel- bar auch für das Gymnasium segensreich gewesen sei, und 2) für die Erteilung der neben- amtlich am Gymnasium gehaltenen Religionsstunden. In seiner Erwiderung dankte der Scheidende für alles Gute, das er am Gymnasium erfahren habe, und sprach den Wunsch aus, daß das Verhältnis zwischen Gymnasium und Konvikt, das in den fast 7 Jah- ren seines Hierseins ohne jeden Mißton sehr gut gewesen sei, stets so bleiben möge.
7. 6. 26. Gedenkfeier anläßlich der 100. Wiederkehr des Todestages von Carl Maria von Weber. Unser Gesang- und Musiklehrer Oberschullehrer Herz gab in ei- nem Vortrag eine Uebersicht über die Lebensschicksale und Werke des Komponisten. Er schilderte ihn 1) als einen Menschen, der sich aus äußerst ungünstigen Verhält- nissen zu einem Träger wertvollster moralischer und künstlicher Energien entwickelte, die durch kein Mißgeschick zu brechen Waren, 2) als einen ausgesprochen deutschen Musiker, der seinerzeit die Herzen des Volkes gewann durch die Vertonung der Frei- heitslieder Körners und durch die in jeder Beziehung deutsche Oper„Der Freischütz“. Die musikgeschichtliche Bedeutung dieser glanzvollen Schöpfung und ihrer ersten Aufführung, die den Sieg der deutschen Oper über die italienische bedeutete, wurde den Schülern nahegebracht.— Im Anschluß an den Vortrag sang Studienrat Karl Ruez die„Max-Arie“ aus dem„Freischütz“ und zwei Arien aus„Euryanthe“. Mu- siklehrer Herz spielte darauf„Die Aufforderung zum Tanz“, und zum Schlusse trugen die Schüler den Jägerchor aus dem„Freischütz“ vor.
12. 6. 26:„NVorführung der Hilfsmittel für den Blinden-Unterricht“ durch den im 5- Lebensjahre erblindeten F. A. Böhme(Berlin) in der Aula.


