Jahrgang 
1913
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9.

4. Lehrerkollegium. Aus dem Schuljahre 1911 sei noch nachgetragen, daß bei Beginn der Sommerferien 1911 der Religionslehrer, Regens des Bischöflichen Konviktes Herr Dr. Hilfrich aus seiner Stellung, in der er eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hatte, ausschied, um als Pfarrer an die Maria-Hilf-Kirche in Wiesbaden überzugehn. Im Namen der Anstalt spreche ich ihm den besten Dank aus für seine treuen Dienste und die herzlichsten Wünsche für ein weiteres erfolgreiches Wirken.

Sein Nachfolger wurde der Bischöfliche Kaplan Herr Dr. Hild.

Herr Oberlehrer Weißenstein wurde durch Krankneit gezwungen, seinen Unterricht vom 4. März an auszusetzen. Seine Stunden wurden bis Ostern vom Lehrerkollegium übernommen. Mit dem Beginne des neuen Schuljahres wurde zu seiner Vertretung der Kandidat des höheren Schulamtes Herr Jakob Kneip geschickt, der zuletzt am Kgl. Real- gymnasium in Wiesbaden tätig gewesen war.

Anfangs schien es, als ob die Ruhezeit dem Oberlehrer Weißenstein gut bekäme; wir erhielten günstige Nachrichten über sein Befinden und hofften schon, ihn demnächst wieder gesund und frisch in unserer Mitte zu sehen. Um so erschütternder war für uns die Nachricht, die am 6. Mai morgens hier einging, daß Oberlehrer Weißenstein am 5. Mai abends 7 Uhr in Frankfurt sanft im Herrn entschlafen sei. Das Lehrerkollegium widmete ihm folgenden Nachruf:Am 5. Mai starb in Frankfurt nach längerem Leiden Herr Oberlehrer Josef Weißenstein im Alter von nur 32 Jahren. Der so früh Verschie- dene war seit Ostern 1905 am hiesigen Königlicnen Gymnasium tätig, zuerst als Probe- kandidat, seit Ostern 1906 als Oberlehrer. In ihm verliert das Lehrerkollegium einen lieben und treuen, freundlichen und zuvorkommenden, durch Lauterkeit des Charakters und Festigkeit der Gesinnung ausgezeichneten Amtsgenossen, die Schüler einen gewissen- haften, für seinen Beruf begeisterten, ebenso gerechten wie wohlwollenden Lehrer und fürsorglichen Berater. Das Gymnasium wird dem wackeren und pflichttreuen Manne, der ihm seine Kräfte bis zur völligen Erschöpfung widmete, ein dankbares und treues An- denken bewahren.

Die Beerdigung fand am 8. Mai in Dingelstaedt, der Heimat des Verstorbenen, statt. Am folgenden Tage las Herr Prof. Leber unter Assistenz des Herrn Regens Dr. Hild und des Herrn Subregens Schmidt für seine Seelenruhe ein feierliches Amt; nach demselben hielt er eine Gedenkrede, in der er die trefflichen Eigenschaften, die den Entschlafenen als Menschen, Lehrer und Christen zierten, in warm empfundenen Worten hervorhob.

Beim Beginne des neuen Schuljahres wurde der Probekandidat Herr Peter Thome der Anstalt zur Ableistung des Piobejahres überwiesen.

Herr Prof. Dr. Schmitthenner war in der Zeis vom 28. Mai bis zum 8. Juni zur Teilnahme an einem archäologischen Ferienkursus einberufen, den die hessische und die bayerische Regierung veranstaltet hatten.

Der Lehrer a. G. Herr Krekel nahm in den Tagen vom 3.21. September an einem Fortbildungskursus für Turnlehrer in Spandau teil,

Herr Oberlehrer Dr. Jung leistete vom 27. Juli bis 21. September eine militärische Übung ab; mit seiner Vertretung wurde der Probekandidat Herr Heinrich Gotthardt von der Riehlschule in Biebrich beauftragt. Leider kehrte Oberlehrer Dr. Jung krank aus dem Manöver zurück. Da sich sein Befinden allmählich verschlimmerte, mußte er den Unterricht vom 2. November an aussetzen und um Urlaub nachsuchen. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium bewilligte ihm Urlaub bis Weihnachten, verlängerte ihn aber nachträglich bis Ostern, als sich herausstellte, daß Oberlehrer Dr. Jung eine längere Ruhe- zeit zur völligen Wiederherstellung seiner Gesundheit nõötig hatte. Als sein Vertreter wurde wiederum vom 18. November ab der Probekandidat H. Gotthardt überwiesen; dieser erhielt auch den Auftrag, hier sein Probejahr zu vollenden, das er Ostern 1912 an der Riehlschule in Biebrich angetreten hatte.

Am Schlusse des Sommerhalbjahres wurde der wissenschaftliche Hülfslehrer Herr Jakob Kneip in gleicher Eigenschaft an die Realschule in Diez versetzt. An seine Stelle trat der wissenschaftliche Hülfslehrer Herr Karl Ruez von der Realschule in Diez.