Jahrgang 
1911
Einzelbild herunterladen

7

günstigen Lage; es fehlt ihr an Arbeitsstätten, in denen der Forscher, befreit von der Last des Unterrichtes, die volle Ruhe für seine Experimente findet. Von ganzem Herzen muß die Nation Kaiser Wilhelm dafür dankbar sein, daß er, selbst opferfreudig, die Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft ins Leben gerufen hat, deren Zweck es ist, die Gründung von For- schungsinstituten zu fördern und die Institute zu gedeihlicher Entwickelung zu führen.

Am 12. Februar veranstalteten der Musikverein und der Turnverein in der neuen Aula eine Abendunterhaltung, die sehr gut besucht war. Die Leistungen der beiden Vereine fanden bei allen Anwesendeu lebhaften Beifall. Zu besonderem Dank sind wir auch diesmal wieder Herrn Konzertsänger C. Meister verpflichtet, der wie im vorigen Jahre die Anwesenden durch den Vortrag von zwei mit künstlerischer Vollendung ge- sungenen Liedern erfreute. Es drängt mich, unserm Danke auch an dieser Stelle Aus- druck zu geben.

3. Schüler.,. a. Am Montag, dem 25. Apbril, fiel der Nachmittagsunterricht aus; es sollte den Schülern Gelegenheit gegeben werden, das Luftschiff Z 2, das in der Nähe von Limburg vor Anker lag, zu besichtigen. Aber bevor die Schüler den Lan- dungsplatz erreichen konnten, wurde das Luftschiff vom Sturm losgerissen und führer- und steuerlos davongetragen. Nahe bei Weilburg wurde es gegen den Webersberg getrieben und dort zertrümmert.

Am Donnerstag, dem 23. Juni, machten alle Klassen unter Führung ihrer Herren Ordinarien Ausflüge; einige gingen nach schönen Punkten in der näheren oder wei- teren Umgebung Hadamars, andere suchten das Rheintal auf. Das wenig günstige Wetter, das an dem Ausflugstage herrschte, peeinträchtigte nicht wesentlich die Stimmung und Freude unserer wanderlustigen Jugend.

b. Am 1. Juni hielt Herr Landrat Büchting aus Limburg auf Veranlassung der Hadamarer Ortsgruppe des Nassauischen Altertumsvereins in der alten Aula des Gym- nasiums einen Vortrag mit Lichtbildern über seine Reise nach Bosnien und Herzegowina, zu dem die Schüler der Anstalt freien Zutritt hatten. Sie hatten sich dazu in großer Anzahl eingefunden und folgten den spannenden Ausführungen des Redners mit lebhafter Aufmerksamkeit.

c. Der Gesundheitszustand unserer Schüler war recht ungünstig; viele mußten mehrere Tage, manche auch längere Zeit den Schulbesuch aussetzen, einige fehlten Monate lang im Unterricht.

Ein erschütterndes Memento mori traf unser Gymnasium am Morgen des 28. März. Der Quintaner Adam Weyrich aus Camberg bekam während des Schulgottesdienstes einen Anfall von Herzkrampf, dem der Tod fast umnittelbar folgte. Sein Religions- lehrer, der in der Kirche anwesend war, hatte gerade noch Zeit, ihm die letzte Olung zu spenden. Alle unsere Schüler standen unter dem Eindrucke des tieftraurigen Ereignisses; der frische, blühende Knabe, der vor wenigen Minuten in Jugendlust aus dem Konvikt heruntergekommen war, war so rasch und unerwartet vom Tode dahingerafft, worden. Noch am Samstag und Sonntag war er in der Heimat bei seinen Eltern auf Besuch gewesen; er hatte von ihnen Abschied genommen in der Hoffnung, sie bald durch das Versetzungszeugnis, das dem braven und fleißigen Schüler in sicherer Aussicht stand, erfreuen und die Ferien bei ihnen zubringen zu können. Des Ewigen Ratschluß hatte es anders bestimmt. Nach dem Requiem, das Herr Religionslehrer Leber zelebrierte, begleiteten Lehrer und Schüler des Gymnasiums die Leiche, die nach Camberg übergeführt, wurde, bis nach Niederhadamar. An der Beerdigung nahmen Herr Regens Dr. Hilfrich und Herr Religionslehrer Leber mit mehreren Schülern teil. Möge Gott der Herr die Eltern in ihrem Schmerze, an dem das Gymnasium innigen Anteil nimmt, trösten.

4. Lehrerkollegium. Im Laufe des Schuljahres traten im Lehrerkollegium mannig- fache Veränderungen ein. Zunächst sah sich Herr Professor Dr. Bertram durch seinen Gesundheitszustaud genötigt, um einen halbjährigen Urlaub zu bitten, der ihm von der Behörde bewilligt wurde. Darauf wurde er auf sein Ansuchen vom Königlichen Pro- vinzialschulkollegium unter Anerkennung seiner langjährigen pflichttreuen und erfolgreichen Wirksamkeit am 1. Oktober in den Ruhestand versetzt. Seine Majestät der Kaiser und König verliehen ihm anläßlich seines Ausscheidens aus dem Amte den Roten Adler-