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— 6— Il. Verfügungen der vorgesetzten Behörden.
1) Es gehört nicht zu den Aufgaben der Schule, Versicherungen der Schüler gegen- Unfall zu vermitteln. Wenn die Eltern den Wunsch haben, die Schüler zu ver- sichern, so muß ihnen überlassen bleiben, ihrerseits das Erforderliche in die Wege zu leiten(Vfg. v. 11. 5. 1910).
2) In allen Schulen sollen an den Tagen, an denen Turnunterricht oder Turnspiele nicht stattfinden, 5— 10 Minuten lang sog. Freiübungen, deren Aufgabe ist, die At- mung zu vertiefen, die Verdauung und den Blutumlauf zu beleben, die Haltung zu verbessern, möglichst vor einer Unterrichtspause vorgenommen werden(Vfg. v. 7. 7. 1910).
3) Die erste Direktorenversammlung der Provinz Hessen-Nassau wird im Herbst 1911 in Cassel stattfinden(Vfg. v. 22. 8. 1910).
III. Chronik.
1. Allgemeiner Verlauf des Schuljahres 1910. Das Schuljahr wurde am 5. April mit einem Schulgottesdienste eröffnet. Am Tage vorher fand die Prüfung der neuange- meldeten Schüler statt. Die Aufnahmeprüfung im Herbste fiel auf den 13. Oktober. Über die Dauer der Ferien enthält das Nähere der Bericht über das Schuljahr 1909.
2. Schulfeste. Die vaterländischen Gedenktage wurden in hergebrachter Weise begangen.
Die hundertste Wiederkehr des Todestages der Königin Luise wurde, da der 19. Juli in die Schulferien fiel, am 15. Juli festlich begangen. Die Feier bestand aus einem gesanglichen Teile, in dem mehrere von Franz Wagner in Musik gesetzte Lieder vor- getragen wurden, und einem deklamatorischen. Die Dichtungen, in deren Vortrag sich hauptsächlich Schüler der Obersekunda teilten, begleiteten das Leben der hohen Frau durch Glück und Unglück, schilderten die sonnige Zeit, die sie an der Seite ihres Ge- mahls im friedlich- stillen Paretz zubrachte, folgten ihr in den Königspalast nach Berlin sowie auf der traurigen Flucht nach Memel, priesen ihre Herzensgüte und Einfachheit, ihren Opfermut und ihren heroischen Sinn und trauerten mit unserm ganzen Volke an ihrem frühen Grabe.
Am Sedantage fand in der Aula ein Festakt statt, bestehend aus Gesang, Deklama- tion und einem Vortrage des Oberprimaners Karl Hesse. Dieser erwähnte einleitend die Gedenktage der gewaltigen Schlachten, hob darauf die Tapferkeit und die Vaterlandsliebe der Soldaten hervor, die in harten blutigen Kämpfen das einige Deutschland und das deutsche Kaiserreich errungen haben, und gedachte dann der besonderen Verdienste, die sich Königin Luise um die Hebung und Erneuerung Preußens erworben hat.
Am 27. Januar beging die Schule den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs durch eine Feier in der neuen Aula. Die vorgetragenen Gedichte, deren Zu- sammenstellung Herr Prof. Dr. Schmitthenner übernommen hatte, bezogen sich auf wich- tige Ereignisse der nassauischen Geschichte, zumal auf solche, die für das weitere Vater- land von Bedeutung waren. Die Festrede des Herrn Oberlehrers Reith beschäftigte sich mit dem Radium; ihr lag folgender Gedankengang zu Grunde: Das Wunderbare am Radium besteht nicht darin, daß es besondere Kräfte ausübt, sondern darin, daß es sich ändert, eine Lebensdauer hat und einmal stirbt d. h. zerfällt und nur während seines Zerfalles, in seiner Todesstunde die Eigenschaften der Radioaktivität zeigt, Eigenschaften, die auch anderen Stoffen eigen sind, welche eine Lebensdauer haben. Mit der Radium- forschung beschäftigt man sich besonders im Auslande, so in England und Frankreich. Die deutsche Wissenschaft befindet sich im Vergleich zu dem Auslande in einer un-


