Jahrgang 
1908
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3. Obersicht über die während des Schuljahres 1907,08 durchgenommenen Lehraufgaben.

oberprima.

Klassenlehrer: Der Direktor.

Religionslehre: 2 St. a) Kath. Sittenlehrc. Ein- gehende Wiederholungen aus den übrigen Lehrauf- gaben. Bertram.

b) Evang., vereinigt mit UI u. OII(3 Schüler). Erklärung des Evang. Joh.(Cap. 1 12). Glaubens- lehre. Kirchengeschichte von 1648 bis zur Gegenwart. Wiederholnngen aus den übrigen Gebieten.

Schneider.

Deutsch: 3 St. Lesestoff: Goethes Jphigenie u. Tasso. Goethes Gedankenlyrik(Auswahl). Grillparzers Sappho. Shakespeares Julius Caesar. Goethes und Schillers Leben. Dispositionsübungen. Schülervorträ- ge. Prosalektüre aus Bieses Lesebuch für I.

Aufsätze: 1) Weshalb war der Dreißigjährige Krieg ein schweres Unglück für das deutsche Volk? 2) Mit welchem Rechte bezeichnet sich Jphigenie, die Hel- din des Goethischen Dramas, als Orestens reine Schwester, deren Segenswort hilfreiche Götter vom Olympus rufe?(Kl.) 3) Welche Berechtigung hat das Dichterwort:Das sterbliche Geschlecht ist viel zu schwach, in ungeahnter Höhe nicht zu schwindeln.? 4) Mens morbo maior et Orco. 5) Gebeugt erst zeigt der Bogen seine Kraft.(Kl.) 6) Mit welchem Rechte kann man sagen, daß der Held des Sängers und der Sänger des Helden bedarf? 7) Das Meer ein Freund und ein Feind des Menschen.(Kl.) 8) Prüfungsauf- sätze: a) Herbst: JInwiefern bewahrheitet sich der Ausspruch:

Wie schlimm's ein andrer mit Dir meint,

Du selbst bleibst stets Dein ärgster Feind? im Leben des einzelnen sowohl, als auch ganzer Völker? b) Ostern: Inwiefern hat Napoleon I. der Einigung Deutschlands vorgearbeitet? Otto.

Lateinisch: 7 St. Grammatik(2 St.): Grammatische Wiederholungen und Belehrungen über stilistische Eigentümlichkeiten. Wiederholung und Einprägung von Phrasen und synonym. Unterscheidungen. Uber- setzen aus Ostermann-Müller V. Wöchentl. eine schriftliche Ubersetzung in das Lateinische, abwech- selnd als Klassen- oder Hausarbeit. In jedem VYier- teljahre eine Ubersetzung in das Deutsche als Klas- senarbeit. Lektüre(5 Std.): Tacitus, Annalen B. II. Auswahl aus Agricola u. den Historien. Cicero, de oratore B. I. c 1 22. Auswahl aus Brutus. Horaz, Carm. c. 1 u. II. Epist. I, 1. 2. 7. II. 1. Gelernt wur- den die Oden I, 1. 3. 4. 14. 22. und II 20.

Schmitthenner.

Griechisch: 6 St. Homer Jlias XIII bis XXIV(Aus- wahl) und Wiederholung von I bis XII. Sophokles: König Oedipus. Thukydides: Buch VI. Buch VIIzum Teil. Unvorbereitet wurde gelesen aus Lykurgos: Ge- gen Leokrates. Wiederholungen aus der Grammatik. Mündliche oder schriftliche Übersetzungsübungen. Jede Woche eine schriftliche Arbeit in der Klasse, meist Ubersetzung aus dem Griechischen.

Der Direktor.

Französisch: 3 St. Lektüre: Molière, les Femmes savantes; Wychgram, Choix de nouvelles modernes. Bd. II. Mündliche und schriftliche Übungen nach Vorschrift. Weißenstein.

Hebräisch: 2 St.(Zahl der Teilnehmer S: 6, W: 6) Beendigung und Wiederholung der Formenlehre, be- sonders der schwachen Verben. Lektüre einzelner Abschnitte aus dem Pentateuch. Bertram.

Englisch: 2 St.(Zahl derTeilnehmer S: 5 W: 4.) Bulwer-Litton: The last of the barons. Ausgewähl- te Abschnitte aus dem engl. Jrving-Macaulay Lese- buche. Die wichtigsten Kapitel aus der engl. Syn- tax; Wiederholung der Formenlehre.

Weißenstein, vom 10. März an Lehmann.

Geschichte u. Erdkunde: 3 St., davon alle 14 Tage eine Wiederholungsstunde für Erdkunde(Europa). Geschichte der Neuzeit von 1648 bis zur Gegenwart. Wiederholungen aus der Geschichte des Altertums und des Mittelalters besonders durch vergleichende Zusammenfassung oder Gruppierung des Stoffes nach verschiedenen Gesichtspunkten. Der freie Vortrag über gestellte kleinere Themata wurde besonders ge- übt, desgl. das Entwerfen von Skizzen der wichtigsten neueren Schlachten. Belehrung über die wirtschaft- liche Entwicklung Deutschlands(namentlich im 19. Jahrdt.) und die damit zusammenhängenden sozialpo- litischen Verhältnisse. Die Zahlen nach dem Kanon.

Der Direktor.

Mathematik: 4 St. Binomischer Lehrsatz für ganze und positive Exponenten. Der Zahlbegriff nnd die imaginären Zahlen. Aus der Stereometrie die Lage- beziehungen und UÜbungen in der Körperberechnung. Planimetrische Konstruktionsaufgaben, besonders sol- che mit algebraischer Analysis und solche, in denen die Stücke, Ha, r, ha, und. y vorkommen. Der Koordinatenbegriff und einige Grundlehren von den Kegelschnitten. Ergänzungen, Zusammenfas- sungen und Ubungen, auf allen Gebieten der vorher- gehenden Klassen. Alle 3 4 Wochen eine häus- liche- oder eine Klassenarbeit.

Aufgaben für die Reifeprüfung: a) Herbst 1907. 1) am 1ten Januar 1880 legte jemand 1000 M auf Zinseszinsen und fügte am 1ten Januar 1891 eine gleiche Summe hinzu. Am 1ten Januar 1902 erhielt er zusammen 3750 M zu- rück. Wie hoch war der Zinsfuß?

2) In einen gegebenen Kreis eine Sehne gleich a zu legen, welche durch einen der Lage nach gegebenen Durchmesser im Verhältnis 1: 2 geteilt wird.

3) Ein Dreieck zu berechnen aus: a= 30, b c= 12,= 7.

4) Die größte und die kleinste Seite eines schiefen Kegels bilden einen rechten Winkel. Wie groß ist das Volumen des Kegels, wenn sein Grundradius r= 8, 5 m und seine größte Seite a= 15 m ist?