— 4—
3. Ubersicht über die während des Schuljahres 1905/06 durchgenommenen Lehraufgaben.
Oberprimd.
Klassenlehrer: Der Direktor.
Religionslehre: 2 St. a) Kath. Sittenlehre; Wie- derholungen aus der Kirchengeschichte und der Apo- logetik. Bertram.
b) Ev. vereinigt mit UI u. Oll. Lesen und Erklä- ren des Römerbriefes. Geschichte der alten Kirche und des Mittelalters. Memorieren einiger Psalmen nnd Kirchenlieder. Schneider, Pfr.
Deutsch: 3 St. Lesestoff: Goethes Jphigenie u. Tasso. Goethes u. Schillers Gedankenlyrik.(Auswahl). Grillparzer: Sappho. Privat: Shakespeares Julius Cä- sar. Dichtungsarten. Goethes u. Schillers Leben. Dispositionsübungen. Schülervorträge. Prosalektüre aus Bieses Lesebuch für I.
Aufsätze: 1. Jphigeniens Seelenstimmung im Mo- nologe und deren Bedeutung für die Handlung. 2. Schmerzen sind Freunde.(Kl.) 3. Wie vollzieht sich die Heilung Orests? 4. Inwiefern verdient J- phigenie den Namen»Retterin“? 5. Ursachen u. Ver- anlassung des peloponn. Krieges mit besonderer Be- rücksichtigung der Darstellung des Thukydides. 6.„Gehorche gern! Denn es geziemt dem Manne, auch willig das Beschwerliche zu tun.“(Goethe. Tasso). (Kl.) 7. Inwiefern bewahrheiten sich die Worte: „Es gibt ein Glück, allein wir kennen's nicht; Wir kennen'’s wohl. allein wir wissen's nicht zu schätzen.“ an Tasso?(III, 2). ist man berechtigt,„das Hohenzollerntum ein soziales Königtum“ zu nennen? 0. Mit welchem Rechte hat sich Bismarck einen„treuen deutschen Diener sei- nes Herrn“ genannt? Widmann.
Lateinisch: 7 St. Grammatik(2 Std.): Gramma- tische Wiederholungen und Belehrungen über stili- stische Eigentümlichkeiten. Wiederholung und Ein- prägung früher gelernter Phrasen. Ubersetzen aus Ostermann-Müller V. Alle 8 Tage eine schriftliche Übersetzung in das Lateinische, abwechselnd als Klas- sen- oder Hausarbeit. In jedem Vierteljahre eine Ubersetzung in das Deutsche, meist aus Livius, als Klassenarbeit. Lektüre(5 Std.): Tacitus, Germania. Ausgewählte Briefe aus Ciceros Zeit, nach der Aus- gabe von Bardt.(No. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 17. 18. 19. 20. 28. 33. 36. 44. 46.). Cicero, pro Murena. Horaz. Od. III. 1— 5. 8. 13. 29. 30. IV 2. 4. 5. 9. 14. 15. Epist. I. 1. 7. Gelernt Od III 1. 13. 30. IV 3. 15. Cursorisch gelesen aus Livius schwieri- gere Abschnitte der I. Dekade und B. XXVII u. XXVIII. Schmitthenner.
Griechisch: 6 St. S. Thukydides Auswahl aus L. I. Homers Jlias XIII— XVII. W. Sophokles Aias. Hom. Jl. XVIII— XXIV.(Jliasausgabe von Bach). Wieder- holungen aus der Grammatik u. UÜbersetzungen ins Griechische u., aus dem Griechischen, wöchentlich eine Arbeit. Widmann.
Französisch: 3 St. Lektüre; Molièére, les femmes savantes— und ausgewählte Abschnitte aus dem franz. Lesebuche für die Oberklasse von Klincksieck. — Schriftliche Klassenarbeiten alle 3 Wochen. Im Anschlusse daran und an die Lektüre gelegentliche grammatische Wiederholungen und Sprechübungen. Einzelne Abschnitte aus Kron, Stoffe zu Sprechü- bungen. Bertram.
Hebräisch: 2 St. Beendigung und Wiederholung
8. Prüfungsaufs. H. Inwiefern
der Formenlehre, bes. der schwachen Verba. Lektüre ausgewählter Abschnitte aus dem Pentateuch. Zahl der Teilnehmer S: 10 W: 10. Bertram.
Englisch: 2 St. Formenlehre nach Deutschbeins kurz- gefaßter Grammatik. UÜbersetzungsübungen ins Eng- lische. Lesen von Gedichten und Prosastücken aus dem Jrving-Macaulay-Lesebuch von Deutschbein. Sprechübungen meistens im Anschluß an Gelesenes. Zahl der Teilnehmer: S. 16. W. 11. Weißenstein.
Geschichte u. Erdkunde. 3 St. Geschichte der Neu- zeit von 1618 bis jetzt. Wiederholungen aus den früheren Lehraufgaben, desgl. alle 14 Tage je 1 Stde aus der Erdkunde Europas. Widmann.
Mathematik: 4 St. Binomischer Lehrsatz für ganze und positive Exponenten. Der Zahlbegriff und die imaginären Zahlen. Planimetrische Konstruktions- aufgaben, besonders solche mit algebraischer Analy- sis, und solche, in denen die Stücke d, Ha, r, ha, m und—„ vorkommen. Der Koordinatenbegriſt und einige Grundlehren von den Kegelschnitten. Ergän- zungen, Zusammenfassungen und Ubungen auf allen Gebieten der vorhergehenden Klassen. Alle 3 Wo- chen eine häusliche oder eine Klassenarbeit. Aufgaben für die Reifeprüfung:
a) Herbst 1905.
1) Auflösung der Gleichungen:
X— y= 16 3—
— 3— VSn— Vro= 2
2) Ein Dreieck zu zeichnen aus: ho, 8— p.
3) Von der 44 m hohen Plattform eines Turmes wird ein Fluß unter dem Winkel«= 480 29 und das jenseitige Ufer unter dem Winkel 6= 12⁰ 42˙' ge- gen den Horizont gesehen. Wie breit ist der Fluß?
4) Man perechne die Volumina der beiden Kegel, von denen der eine einem Tetraeder mit der Kante 2— 20 cm einbeschrieben, der andere ihm umbe- schrieben ist.. b) Ostern 1905.
1) Eine Jahresrente von 1200 M, die noch 15 Jahre läuft, soll in eine andere umgewandelt werden, die 20 Jahre läuft. Wie hoch ist die neue, die Zinsen zu 4% gerechnet?
2) Ein Dreieck zu konstruieren aus a, ha, mæ.
3) Ein Dreieck trigonometrisch zu berechnen aus:
a= 600, 0.— 540, 5= 140.
4) Wie weit muß man mit einem Luftballon aufstei- gen, um einen Teil der Erdoberfläche, welcher gleich dem Flächeninhalt von Deutschland(540500 dkm) ist, zu übersehen, vorausgesetzt, daß der Einfluß der atmosphärischen Strahlenbrechung unberücksichtigt bleibt.
Physik: 2 St. Optik, Mathematische Erdkunde.
Hesse. Unterprima.
Klassenlehrer: Professor Hesse. Religionslehre: 2 St. a) Kath.: Glaubenslehre, II. Teil; Kirchengeschichte der neueren Zeit. Bertram. b) Ev. siehe OI. Deutsch: 3 St. Überblick über die Geschichte der deutschen Litteratur bis auf Goethe. Proben aus den wichtigsten Werken der Schriftsteller des 16. und 17.


