I. Geſchichte des Gymnaſiums.
Das Schuljahr 184849, das fünfte ſeit der Reorganiſation des Gym⸗ naſtums, wurde den 3. Mai 1848 mit Prüfung der Aufnahmeaspiranten, deren ſich bis dahin 18 gemeldet hatten, mit 212 Schülern eröffnet, und den 30 März 1849 durch die Herkömmliche öffentliche Prüfung geſchloſſen.(Vieles für das Gebiet der Schule, wie für die übrigen Entwickelungsformen des öffentlichen Lebens, lag zwiſchen dieſen beiden Grenzpunkten.) Vom Anſtoße der Zeit, die, nach langjährigem Verhalten, dem nationalen Geiſte den freien Gedanken, das freie Wort bei Geſtaltung ſeiner höheren Angelegenheiten gewährte, und die im vollen, lebenskräftigen Entwickelungsdrange dieſe Errungenſchaft freier Mit⸗ betheiligung an allen ihren Lebensfragen in Staat und Kirche bewährte— von dieſem Anſtoße konnte auch die Schule nicht unberüͤhrt bleiben, und Reform wuͤnſche wie Reformpläne bekundeten im Naſſauiſchen, wie allenthalben im deut⸗ ſchen Vaterlande, dieſen neuerwachten friſchen Lebenstrieb auf freudige Weiſe.
War auch das Naſſauiſche Schulweſen, ſeit ſeiner Organiſation von 1817, bei der oft und unwiderleglich bekundeten Liebe und Sorgfalt der Landes⸗ fürſten für die Jugendſache, durch gleichgeſinnte Behörden und weiſe Schul⸗ manner im Ganzen auf einer Stufe gehalten worden, die ihm in dieſer Be⸗ ziehung eine anerkannte Stellung unter den uͤbrigen deutſchen Staaten ſichern mußte, und war kein wahrer Fortſchritt anderswo für uns ohne wohlthätige Ruckwirkung geblieben: ſo iſt doch im Erziehungs⸗ und Unterrichtsweſen, wie in allen geiſtigen Gebieten, eine Fortentwickelung zur Idee in der Sache ſelbſt gelegen, eine Umgeſtaltung der geſammten Lebensformen im friſchen Hauche
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