Jahrgang 
1915
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benutzt. Das zweite Bataillon des Landwehrregiments 116 richtete in unserem Hause seine Kammer ein und kleidete seine Mannschaften hier ein. Vom 8. auf den 9. Oktober 1914 waren Rekruten im Kellergeschoss des Schulhauses, vom 24. auf den 25. November nahezu 200 junge Schlesier in der Turnhalle einquartiert. Vom 22. bis 24. Februar 1915 wurde in der Turnhalle Musterung abgehalten. Der Schulhof dient Nachmittags einer Landsturmkompanie als Appellplatz.

Mit dem Wiederbeginn des Unterrichts nach den Herbstferien wurde der gesamte Handarbeitsunterricht in den Dienst der Kriegswohltätigkeit gestellt, es wurde gestrickt, geschneidert(leinene Binden), oder Linnen gezupft. Für letzteres wurden einige Male ganze Zupftage angesetzt. Unsere Schülerinnen, auch die kleinsten nicht ausgenommen, waren ausnahmslos mit der grössten Begeisterung bei der Sache. Sie liessen es denn auch an sich nicht fehlen, als es galt, Weihnachtsgaben ins Feld und an die See zu schicken. Ihre Opferfreudigkeit und ihr Eifer verdient alles Lob. Das durch den Krieg neu belebte Streben, dem, ach, so tief eingewurzelten Fremdwörterumfug zu steuern, fand bei ihnen volles Verständnis. In verschiedenen Klassen wurden Strafkassen eingerichtet und die eingegangenen Gelder für die Kriegswohltätigkeit verwendet. Es ist selbstverständlich, dass die Lehrerinnen ihnen mit Rat und Tat zur Seite standen und ihnen mit gutem Beispiel vorangingen. Wiederholt haben sie, unterstützt durch den Sammelfleiss unserer Mädchen, be- trächtliche Sendungen Liebesgaben und bares Geld für unsere schwer heimgesuchten Lands- leute in Ostpreussen absenden können. Als unsere Schülerinnen von uns aufgefordert wurden, mitzuhelfen beim Sammeln von Gold für die Reichsbank, entwickelten sie einen wahren Bieneneifer, der besonders einer ganzen Anzahl aus dem ersten Schuljahr zum höchsten Lobe gereicht. Obwohl unsere Schule als letzte der hiesigen höheren Schulen zu sammeln begann, brachte der erste Tag bercits 4930 M, der zweite 8440 M, und das Endergebnis von 18 Sammeltagen beträgt 55 395 M. Wenn wir hinfort auch nur noch auf kleine Beträge rechnen können, so soll das Sammeln doch fortgesetzt werden.

Eine unter den Schülerinnen veranstaltete Sammlung für unsere Luſftflotte ergab den Betrag von 246,20 M.

Dass wir seit dem 2. August ganz unter dem Zeichen des Krieges standen, be- wiesen auch die Schulfeiern für Grossherzogs und Kaisers Geburtstag. Beidesmal be- handelten die Festredner, im November Reallehrer Dr. Bergér, im Januar Reallehrer Straub die grosse Zeit und den grossen Kampf, in dem wir stehen, beidesmal wurde die Rede durch eine Reihe meist in der jetzigen Kriegszeit entstandener Gedichte ergänzt. Die für diese Feiern eingeübten Gesänge bildeten den Kern einer von einem ausgewählten Chor für die Verwundeten eines hiesigen Lazaretts veranstalteten musikalischen Aufführung, die reichen Beifall fand.

Am 27. März wird eine Bismarckfeier stattfinden, bei der Oberlehrer Fink die Festrede halten wird.

Anlässlich der Ernennung des Generalobersten Hindenburg zum Generalfeld- marschall, anlässlich unserer grossen Erfolge zu Wasser und zu Land Mitte Dezember 1914 und anlässlich der siegreichen masurischen Winterschlacht im Februar 1915 fiel der Unterricht teilweise aus.

Für ihre Rührigheit bei der Goldsammlung wurde den Schülerinnen, als sie 10 000 M, und ein zweites Mal, als sie 40 000 M zusammengebracht hatten, ein Tag frei gegeben.