Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

IV. Zur Geschichte der Anstalt.

Das Schuljahr begann Montag, den 20. April. Die Hõöhere Mädchenschule um- ſasste 16, die Erweiterte Mädchenschule 10 Klassen, zusammen 26, gegen 25 im Vorjahr, Mit dem Schluss des Schuljahres 1913/14 schieden Oberlehrer Dr. Beck und die Lehr- amtsassessoren Dr. Peppler und Wiener aus dem Verbande der Schule aus. Der erste wurde an die Realschule in Dieburg, der zweite an die Realschule in Grünberg, der letzte an die Realschule in Schotten versetzt.

Lehramtsreferendar Nick wurde am 1. April zum Lehramtsassessor ernannt und zum Zweck wissenschaftlicher Arbeiten auf ein halbes Jahr beurlaubt. An die Stelle des Oberlehrers Dr. Beck trat Lehramtsassessor Dr. Hainer, seither Volontär, an die Stelle Dr. Pepplers Oberlehrer Fink, seither an der Realschule zu Alzey.

Wilhelm Fink, geboren am 8. September 1882, besuchte das Gymnasium in Büdingen, auf dem er im Herbst 1900 die Reifeprüfung ablegte. Er studierte auf der Landesuniversität und ein Semester lang auf der Universität München Reine Mathematik, Angewandte Mathematik und Physik. Nachdem er sich im Februar 1905 der Staatsprüfung unterzogen hatte, gehörte er von Ostern 1005 bis Ostern 1900 dem pädagogischen Seminar am Gymnasium in Giessen an. Von Ostern 19006 bis Ostern 1007 setzte er seinen Vorbereitungsdienst am Gymnasium zu Büdingen fort. Nach einer kurzen Beschäftigung am alten Gymnasium zu Darmstadt erhielt er im Herbst 1007 eine Verwendung an der Realschule in Gernsheim, an der er bis Ostern 1910 tätig war. Ostern 1910 wurde er an die Realschule und das Progymnasium in Alzey versetzt und am 1. April 1911 zum Oberlehrer ernannt. Seit Ostern 1914 gehört er unserer Schule an.

Die Aufteilung der Klasse Vla machte die Einrichtung einer weiteren Lehrerin- stelle notwendig, die der Schulamtsaspirantin Elisabeth Eppelsheimer aus Wörrstadt über- tragen wurde. Die neu eingerichtete Klasse konnte indessen in unserem Schulbause nicht ohne weiteres untergebracht werden. Um Raum zu schaffen, wurde die Klasse 7 b in die Aliceschule, Kirchstrasse 20, verlegt, die schon früher einzelne Klassen und noch früher unsere ganze Schule beherbergt hat. Als die Militärbehörde das Haus zur Ein- richtung eines Lazaretts in Anspruch nahm, siedelten wir in eine der im Schulhof der Stadtknabenschule unmittelbar neben der Aliceschule stehenden Schulbaracken über.

Der Gesundheitszustand des Kollegiums im vergangenen Schuljahr war nichts weniger als befriedigend. Unvollzählig mussten wir das Schuljahr beginnen. Frl. Maria Birnbaum war infolge einer ernsten Operation bis zum Herbst dienstunfähig; sie wurde

von Frl. Emilie Schott aus Nieder-Olm vertreten. Professor Buchhold, dessen Gesundheit

schon im vergangenen Jahr zu wünschen übrig gelassen hatte, und der während des Sommers mehrmals für Tage seinen Unterricht aussetzen musste, wurde vom 17. Oktober bis zum Schluss des Schuljahres beurlaubt. Er sah sich leider genötigt, seine Versetzung in den Ruhestand nachzusuchen, die ihm durch Verfügung vom 26. Januar mit Wirkung vom 1. April d. J. auch gewährt wurde. Gleichzeitig wurde ihm der Charakter als Ge- heimer Schulrat verliehen. Den grössten Teil seines Religionsunterrichts hatte Herr Pfarrer Adolph die Freundlichkeit, vertretungsweise zu erteilen, wofür wir ihm auch an dieser Stelle verbindlichsten Dank sagen.

prof. Buchhold war seit dem 1. April 1875, demnach 40 Jahre, an unserer Schule tätig, er nimmt also ein grosses Stück Vergangenheit unserer Anstalt mehr als die Hälfte ihrer jetzigen Lebensdauer mit in den wohlverdienten Ruhestand. Wohlverdient,