Jahrgang 
1910
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Nachmittagen Unterricht haben. Es soll aber für die Schülerinnen der Klasse IV- II der Handarbeitsunterricht wahlfrei sein, sodass auch in diesen Klassen die Mädchen u. C. nur 31 Stunden haben.

Wir bitten die verehrten Eltern, die zu treffenden einstweiligen Neuerungen wohl- wollend zu beurteilen, und die Entwickelung der Neuordnung in unserem Vaterlande aufmmerksam zu verfolgen. Es Steht für unsere weibliche Jugend jetzt viel auf dem Spiel und von der Richtung, in die jetzt ihre Erziehung gelenkt wird, wird es abhängen, ob auch unsere Mädchen ihr Teil an den heutzutage nun einmal unentbehrlichen Berechtigungen haben sollen.

Wir gestatten uns, hier eine Bitte an die Eltern zu wiederholen, mit der wir uns schon durch die Schülerinnen an sie gewandt haben; es betrifft die Turnkleidu ng. Dass der Körper zu einem erspriesslichen Turnen seiner völligen Bewegungsfreiheit bedarf, ist ohne weiteres einleuchtend. Das gefährlichste und schädlichste Hindernis ist das Korsett, aber bei sehr vielen UÜbungen sind auch die Röcke sehr hinderlich Es ist deshalb dringend wünschenswert, dass alle Mädchen in Turnkleidung turnen. Da das Turnkleid sehr wohl auch als Schulkleid getragen werden kann, so bedeutet die Anschaffung keine besondere Ausgabe. Unsere Turnlehrerinnen sind gern bereit, die Mütter über Wahl des Stoffes und Machart des Kleides z2u beraten. Wir wissen aus zuverlässiger Quelle, dass in anderen hessischen höheren Mädchenschulen die Turnkleidung sich sehr rasch eingebürgert hat. Hoffentlich holt unsere Schule das Versäumte bald nach.