Jahrgang 
1908
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l. Schulnachrichten.

Das Schuljahr 1907/8 begann Montag, den 8. April. Für Klasse X a der Höheren Mädchenschule waren 31, für 8 b der Erweiterten Mädchenschule 42 Schülerinnen angemeldet. Die H. M.(X a- la) hatte einen Anfangsbestand von Jor; während des Schuljahres traten 14 ein, 33 aus, mithin verblieben am Schlusse 382. Der Anfangsbestand der E. M. war 317; im Laufe des Schuljahres traten 7 ein, 13 aus, sodass der Schlussbestand 311 betrug. Im Höchstbestand (739) ist die Schule gegen das Vorjahr(713) um 26 gewachsen. Von den 730 Schülerinnen waren 6035 evangelischer, 70 katholischer, 59 israelitischer Konfession und 5 konfessionslos. Nach ihrer Herkunft verteilte sich die Gesamtzahl wie folgt: aus Giessen 679, aus anderen hessischen Orten 46, aus anderen Staaten des Reiches 13, Ausländerinnen 1. Die Verteilung auf die einzelnen Klassen siehe Seite 13.

Das abgelaufene Schuljahr war in mehrfacher Hinsicht sehr bewegt und für die Entwicklung der Anstalt vor allem dadurch bedeutungsvoll, dass wir endlich im Sommer das neue Schulhaus an der Nordanlage beziehen konnten. Glücklicherweise war es möglich, drei Schulsäle des Erdgeschosses schon von Ostern ab zu benutzen, andernfalls wäre freilich die Teilung der Klasse VII a (62 Schülerinnen) und 6 b(57 Schülerinnen) nicht möglich und die Klasse VIII a obdachlos gewesen; in dem Privathaus, in dem die Klasse bis dahin untergebracht war, war Scharlach ausgebrochen. Nachdem die Ausstattung des neuen Ge- bäudes soweit ſertig gestellt war, wurde der 2. Juli als Tag der Einweihung festgesetat. Am 24. Juli wurde Abschied genommen von der alten Schule. Sämtliche Schülerinnen und Lehrer versammelten sich im Schulhofe, wo Herr Prof. Dr. Buchhold, der Alteste des Kollegiums, vortreffliche, zu Herzen gehende Worte des Abschieds sprach. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschicke der Schule im alten Haus, das uns noch nicht ganze drei Jahrzehnte beherbergte, gedachte er der Lehrer und Lehrerinnen, die während dieser Zeit im Dienst der Schule gestanden. Mit dem Dank für Gottes Schutz, mit der Bitte um Gottes weiteren Segen schloss er. Trotzdem uns Besseres winkte, nahmen wir alle, Lehrer wie Kinder, nicht ohne Wehmut Abschied von der Stätte, die uns allen lieb geworden, lieb geworden durch ernste gemeinsame Arbeit, lieb geworden durch fröhliches Spiel. In langem Zuge begaben wir uns in den Schulhof des neuen Gebäudes, und nun nahm Klasse für Klasse Besitz von ihrem neuen Heim. Obwohl das alte und das neue Haus dicht bei einander liegen, brauchten wir doch den Rest der Woche für den Umzug und hatten alle Hânde voll zu tun, um das Haus für den Tag der Einweihung auch in ein festliches Gewand zu kleiden.