Jahrgang 
1904
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Schulnachrichten.

Das Schuljahr 1903 /04 begann Montag, den 20. April. Für die unterste Vorschulklasse der Höheren(Xa) wurden ebenso wie für die der Erweiterten Mädchenschule(8 b) 32 Schülerinnen angemeldet. Die Höhere Madchenschule (Xa la) hatte einen Anfangsbestand von 360; während des Schuljahres traten 12 ein, 28 aus, sodass am Schlusse 344 verblieben. Der Anfangsbestand der Erweiterten Madchenschule(5b 1 b) war 245; im Laufe des Schuljahres traten 12 Schülerinnen ein, 7 aus, sodass der Schlussbestand 250 betrug. Drei Schülerinnen gingen aus der Höheren in die Erweiterte Mädchenschule über. Mit der Gesamt- zahl von 626(gegen 608 des Vorjahres) hat die Anstalt ihren höchsten Bestand überhaupt erreicht. Von diesen 626 waren 524 evangelischer, 52 katholischer, 48 israclitischer Konfession, 2 konfessionslos. Die Verteilung auf die einzelnen Klassen siehe Seite 9. Nach ihrer Herkunft verteilte sich die Gesamtzahl wie folgt: aus Giessen 372, aus anderen hessischen Orten 38, aus anderen Staaten des Reiches 14. Ausländerinnen 2.

Das Kollegium wies in seiner Zusammensetzung gegen das Vorjahr keine Veränderung auf. Die Gesundheit der Lehrer und Lehrerinnen liess erfreulicher- weise weniger zu wünschen übrig als sonst; von der unserer Schülerinnen können wir das leider nicht sagen, denn die Zahl der von einzelnen oder mehreren Unter- richtsfächern befreiten war wiederum ganz erschreckend hoch. Die in den ärzt- lichen Zeugnissen angegebenen Grunde sind dieselben wie früher, hauptsächlich Blutarmut und Nervosität. Vereinzelte Fälle von Masern, einige wenige Er- krankungen an Scharlach nahmen einen günstigen Verlauf.

Dass Maäadchen, die zur Schonung ihrer Gesundheit auf Wunsch der Eltern zur vollen Schularbeit nicht herangezogen werden, ausserhalb der Schule nicht durch Nebenbeschäftigungen, Privatstunden, Musikunterricht, Tanzstunden und dergleichen in Anspruch genommen werden sollten, scheint zwar selbstver- ständlich, wird aber durchaus nicht immer befolgt; und dass bei solchem Ver- fahren die Ausbildung und Stärkung des Pflichtgefühls not leiden muss, wird kein Einsichtiger bezweifeln. Der Vorwurf, den man der Schule von heute zu- weilen macht, dass sie zu wenig erziehe, erscheint aber in diesem Zusammenhang völlig unberechtigt und sollte an eine andere Adresse gerichtet werden. Mit der bekannten, von Hoch und Niedrig beliebten, Rechtfertigung:Es ist ja nur ein Mäadchen, es kommt nicht so genau drauf an ist's nirgends, aber hier am allerwenigsten getan. Das Leben verlangt von der Frau nicht minder als vom Manne, dass sie ihre Pflicht tue. Die Schule bietet nun eine vorzügliche Gelegen- heit, sich an die Erfüllung der Pflicht zu sewöhnen, nur müssen ihre Forderungen auch im kleinen ernst genommen werden. Wir richten deshalb an alle Eltern die dringende Bitte, mit Gesuchen um Befreiung von einzelnen Unterrichts- gegenständen nur in wohlbegründeten Fallen an uns heranzutreten. Es soll an