Schulnachrichten.
Das Schuljahr 1902/03 begann Montag, den 7. April. Für die unterste Vorschulklasse der Höheren Madchenschule(Xa) wurden 31, für die der Erweiterten (3 b) 28 Schülerinnen angemeldet. Die Höhere Mädchenschule(Xa- la) hatte einen Anfangsbestand von 340; während des Schuljahres traten 15 ein, 17 aus, sodass am Schlusse 347 verblieben. Der Anfangsbestand der Erweiterten Madchen- schule(6 b— 1 b) war 239; im Laufe des Schuljahres traten 8 Schülerinnen ein, 14 aus, sodass der Schlussbestand 243 betrug. Die Gesamtzahl der Schülerinnen beider Anstalten, 608, ist die höchste bis jetzt erreichte. Von diesen 608 waren 507 evangelischer, 47 katholischer, 52 israelitischer Konfession, 2 konfessionslos. Die Verteilung auf die einzelnen Klassen siehe S. 20). Nach ihrer Herkunft ver- teilte sich die Gesamtzahl wie folgt: aus Giessen 558, aus anderen hessischen Orten 34, aus anderen Staaten des Reiches 15, Ausländerinnen 1.
Der Bestand der Lehrer und Lehrerinnen hat sich im abgelaufenen Schuljahr etwas geändert. Durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums des Innern vom 25. April 1902, mit Wirkung vom 1. Mai, wurde Herr Ost an die Realschule nach Michelstadt versetzt. An seine Stelle trat vorübergehend Herr Schulverwalter Krug aus Michelstadt, bis durch Dekret vom 27. Mai, mit Wirkung vom 9. Juni, die Stelle des Herrn Ost dem Lehrer an der Volksschule zu Grün- berg Heinrich Kunkel vorlaufig übertragen wurde.
Karl Kunkel, geboren am 17. Februar 1867, Sohn des verstorbenen Grossh. Arbeits- inspektors Kunkel zu Marienschloss, wurde im Frühjahr 1886 aus dem Lehrerseminar zu Fried- berg entlassen und unterzog sich im Mai 18388 der Definitorialprüfung. Nachdem er ein Jahr als Verwalter einer Schulstelle zu Freienseen tätig gewesen, wirkte er vom Juli 1887 an als Schul- verwalter und seit 1. Juni 1891 als Lehrer an der Gemeindeschule zu Grünberg, bis er im Juni 1902 an unsere Anstalt versetzt wurde.
Am 1. Oktober 1902 wurde Fräulein Frank auf ihr Nachsuchen und unter Anerkennung ihrer treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt. Sie trat am I. Juli 1874 in den Dienst unserer Schule, den sie in all den Jahren mit unvermindertem Eifer, mit unverminderter Begeisterung und Gewissenhaſtigkeit erfüllt hat. Möge sie die Saat, die sie so reichlich ausgestreut hat, noch lange wachsen, bluhen und reifen sehen. An ihre Stelle trat Fräulein Maria Birnbaum aus Giessen.
Maria Birnbaum, Tochter des Grossh. Universitatsprofessors Dr. med. Birnbaum, wurde am 16. Oktober 1872 in Giessen geboren. Nachdem sie daselbst die Höhere Mädchenschule bis zu ihrem 16. Jahr besucht hatte, bereitete sie sich in einem Privatinstitut in Holland auf das höhere Lehrerinnenexamen vor, das sie im Mai 1891 in Koblenz bestand. Danach unterrichtete


