Jahrgang 
1899
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ZU BISMARCKS TOD. Rede,

gehalten bei der Schulfeier der höheren und erweiterten Mädchenschule zu Giessen am 6. August 1898 von Dr. phil. Fritz Sommerlad.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Schülerinnen!

Eine Woche ernster schmerzlich bewegter Tage liegt hinter uns, eine Woche gewaltiger Erschütterung, die die Erde, wo immer Menschen wohnen, durchzittert hat. Heute vor acht Tagen, als sich die Nacht herniedergesenkt hatte auf die ragenden Eichen und Buchen von Friedrichsruh, als die Natur draussen eingeschlummert war, einem sonnigen frohen Sonntage entgegen zu traumen, da haben sich zwei Augen geschlossen, um sich nie wieder zu öffnen, ein Geist ist da schlafen gegangen, um niemals wieder zu erwachen. Der Alte im Sachsenwald, der getreue Eckart des deutschen Volkes, der Gründer und Hüter des deut- schen Reiches unser Bismarck ist da aus diesem Leben geschieden! Da senkten sich die Fahnen, da umhüllte Trauerflor ihre leuchtenden Farben; da ward die Welt einen Augenblick still, ganz still, wie es im Sterbezimmer sich ziemt: Bismarck ist tot!

Der erste Gedanke, der jeden, der nur einigermassen von Leben und Welt weiss, erfüllen musste, konnte nur der sein: ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung, ein Ereignis von allgemein menschlicher Wichtigkeit ist hier eingetreten! Die Welt horchte auf, da die Kunde