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Der Gesundheitszustand war im verflossenen Jahre kein günstiger; ganz besonders ungünstig war der Sommer. Es kamen viele Erkrankungen an Scharlach, Diphtherie und hauptsächlich Keuchhusten vor. Namentlich die unteren Klassen zeigten längere Zeit groſse Lücken; auch im Nachjahr litt der Unterricht, da infolge der Influenza und des unge- sunden Wetters viele Lehrende erkrankten und zeitweise nur mit äulserster Mühe den Unterricht zu erteilen im- stande waren.
Durch den Tod wurden uns zwei liebe Schülerinnen entrissen. Am 7. Juli starb an Diphtherie Anna Dörr, Schülerin der Klasse 5b, und wurde am 10. Juli von der alten Klinik aus zur letzten Ruhe geleitet. Am 21. Okto- ber starb nach längerem schweren Leiden Else Sommerlad, Schülerin der Klasse IV, die schon einige Zeit vorher aus der Schule geschieden war, und in ihrer Heimat Hausen am 24. Oktober bestattet wurde.
Einen herben Verlust erlitt die Schule am 28. Dezember 1893 durch das Hinscheiden unseres lieben Kollegen, des Herrn Philipp Aubel. Der Verstorbene war geboren zu Wieseck am 14. Mai 1836 und hat lange segensreich in der näheren Umgebung Gieſsens in Groſsbuseck, Wieseck, Albach und Rödgen gewirkt und unserer Schule seit dem 23. April 1876 angehört. Während dieser langen Zeit hat er es ver- standen, sich die Zuneigung und Liebe seiner Schülerinnen sowie die Hochachtung seiner Kollegen in hohem Malse zu erwerben. Begabt mit einem ausgezeichneten Lehrgeschick und eifrig bemüht, theoretisch und praktisch, alle neu aut- tauchenden Fragen auf dem Gebiete des Unterrichts zu prüfen, war er unermüdlich in seinem Amte. Besonders der Anlage und der UÜberwachung des Schulgartens hat er sich mit grolsem Fleiſse unterzogen und durch seine segensreiche Thätigkeit an der Schule bewiesen, wie sehr ihm das Wohl der ihm anvertrauten Kinder am Herzen lag. Am 30. Dez. folgte ihm, der schon längere Zeit schwer erkrankt war, seine teure Gattin nach kurzem schweren Leiden nach, und


