Jahrgang 
1892
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Greifbarste ist, an das Bluhen und Gedeihen, die Entwicklung und den Aufschwung, den wir in allernächster Nähe hier in unserer Stadt vor Augen sehen.

Nur unter einem weitherzigen, milden, weisen und ge- rechten Herrscher sind solche Fortschritte, wie wir sie in Stadt und Land allüberall bemerken, möglich. Was ist in Gieſsen alles erstanden seit dem Jahr 1877! Wie herrlich prangen jetzt überall prächtige, palastartige Gebäude, die den verschiedensten Zweigen der Verwaltung, der Gerichtsbarkeit, dem Verkehr, dem Unterricht, der Armenpflege, dem Heer, der Gesundheitspflege und dem Handel dienen! Das sind Denkmale, die nur der segensreiche Friede unter der Herr- schaft eines einsichtigen, weisen Herrschers zeitigen kann, Errungenschaften, die laut zeugen werden bis in die Zeit ferner Geschlechter von dem einsichtsvollen Walten eines geliebten Fürsten, der für die Bedürfnisse aller Klassen in umsichtigster Weise zu sorgen bemüht ist, der die wahren Forderungen seiner Zeit versteht und allen Kräften des Lan- des zu freier Entwickelung die helfende, fördernde Hand von oben bietet.

Dann erkennen wir aber auch, was wir in unserem ver- storbenen Groſsherzog verloren haben, dann danken wir ihm, wenn wir schmerabewegt sein allzu frühes Scheiden beklagen, und dann verstehen wir es, wie traurig das ganze Hessen- land ist, welches heute seinen geliebten Herrscher zu Grabe tragen muſs. Einen kleinen Teil unseres Dankes aber, glaube ich, können wir dem teueren Heimgegangenen abtragen, wenn wir uns alle geloben, festzuhalten in unerschütterlicher Hessentreue an unserem geliebten Herrscherstamm, mit Ehr- furcht und Liebe in Freud und Leid, und wenn wir unsere Gebete zusammenfassen in den Wunsch, der Allmächtige möge den reichen Segen, den die Regierung Sr. Königlichen Hoheit des verewigten Groſsherzogs Ludwig IV. dem Hessen- land und Hessenvolk gebracht hat, auch walten lassen über derjenigen seines jugendlichen Sohnes, unseres jetzigen aller- gnädigsten Herrn und Groſsherzogs

Ernst Ludwig.